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Letzte Generation
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Die Letzte Generation (kurz LG; auch Die letzte Generation vor den Kipppunktencite-ref-1[1]cite-ref-2[2]) ist ein Zusammenschluss und eine seit Ende 2023 eingetragene Marke von Klimaaktivisten in Deutschland.cite-ref-3[3] Bis August 2024 bestand die Gruppe auch in Österreich.cite-ref-4[4] Sie verfolgt das Ziel, durch Mittel des zivilen Ungehorsams Maßnahmen der Regierungen zur Einhaltung des Übereinkommens von Paris und des 1,5-Grad-Ziels zu erzwingen. Die Gruppe bildete sich 2021 aus Teilnehmern am Hungerstreik der letzten Generation. Die Anfang 2022 begonnenen Aktionen bezeichnen die Aktivisten als Aufstand der Letzten Generation, weil nach ihrer Ansicht die Überschreitung von Kippelementen im Erdklimasystem drohe und sie der letzten Generation angehörten, die noch in der Lage sei, „den völligen Erdzusammenbruch vielleicht noch aufzuhalten“. Aufsehen erregt die Gruppe insbesondere, weil sich die Aktivisten bei vielen Aktionen auf Straßen festkleben und den Verkehr blockieren und weil sie GebĂ€ude mit oranger Farbe besprĂŒhen. Diese Protestformen werden von großen Teilen der Öffentlichkeit abgelehnt.cite-ref-5[5] Deutsche Gerichte haben Aktivisten in Strafprozessen oft wegen Nötigung verurteilt; einige wurden freigesprochen. Im Falle von Verurteilungen wurden in den meisten FĂ€llen Geldstrafen und in einigen FĂ€llen Freiheitsstrafen verhĂ€ngt.

Nach Ansicht des Landgerichts MĂŒnchen ist der Zweck und die TĂ€tigkeit der Vereinigung auf die Begehung von Straftaten gerichtet. Im Beschluss vom 23. November 2023 wird auf die erhebliche Gefahr fĂŒr die öffentliche Sicherheit durch die Vereinigung hingewiesen.cite-ref-6[6]

Ende 2024 kĂŒndigte die Gruppierung eine Umbenennung und strategische Neuausrichtung an.cite-ref-7[7] Sie teilte sich im Februar 2025 in Neue Generation und Widerstands-Kollektiv.cite-ref-8[8]cite-ref-9[9] Aktionen der Neuen Generation richteten sich im FrĂŒhjahr 2025 gegen „Rechte und Reiche“, FirmengebĂ€ude (MĂŒllermilch,cite-ref-10[10] Teslacite-ref-11[11]) wurden mit „AfD-blauer“ Farbe besprĂŒht. Im April 2025 ließ das Widerstands-Kollektiv Luft aus Reifen privater Tesla-Fahrzeuge in Berlin und besprĂŒhte sie.cite-ref-12[12]

Contents

‱ Ziele
‱ Strategie
‱ Struktur
‱ Hintergrund
‱ Rezeption
‱ Politik
‱ Wissenschaft
‱ Journalismus
‱ Reportagen
‱ Literatur
‱ Weblinks

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HintergrĂŒnde

Die Letzte Generation möchte mit ihrem Namen auf den wissenschaftlichen Konsens zum Klimawandel und das völkerrechtlich verbindliche Übereinkommen von Paris aufmerksam machen. Nach EinschĂ€tzung der Bewegung sei festzustellen, dass die derzeitige Generation die letzte sei, die etwas gegen die globale ErwĂ€rmung und das Erreichen von Kippelementen im Erdklimasystem unternehmen könne.cite-ref-14[14]

Die Bezeichnung der Gruppe wird auch mit einem Tweet von Barack Obama in Verbindung gebracht:cite-ref-15[15]cite-ref-16[16]

“We are the first generation to feel the effect of climate change and the last generation who can do something about it.”

„Wir sind die erste Generation, die den Effekt des Klimawandels zu spĂŒren bekommt, und die letzte Generation, die etwas dagegen machen kann.“

–

Barack Obama

:

Tweet

vom 23. September 2014

Die Letzte Generation verweist auch auf die PrĂŒfberichte des Expertenrats fĂŒr Klimafragen der Bundesrepublik Deutschland. Dieser hatte 2023 das Klimaschutzprogramm der Bundesregierung als unzureichend bezeichnet und einen fehlenden Einklang mit dem Bundes-Klimaschutzgesetz beklagt. Die Bundesregierung lege gemĂ€ĂŸ des Expertenrats ebenfalls nicht dar, wie die LĂŒcke zu den Zielen fĂŒr 2030 des Bundes-Klimaschutzgesetzes zu schließen sei. Dies gelte insbesondere fĂŒr den Verkehrs- und GebĂ€udesektor.cite-ref-18[18]cite-ref-19[19]

Ziele

Die Letzte Generation gibt unterschiedliche Ziele fĂŒr ihre Aktionen aus und hat diese im Lauf der Zeit immer wieder angepasst.

„Essen Retten Leben Retten“

Als erste Aktionsreihe fĂŒhrten die Aktivisten die Kampagne Essen Retten Leben Retten durch. Dabei wurde gefordert, dass die neue deutsche Bundesregierung gesetzliche Maßnahmen fĂŒr eine Agrarwende bis 2030 festlegen und als erste Sofortmaßnahme gegen Lebensmittelverschwendung vorgehen sollte. Große LebensmittelhĂ€ndler sollten verpflichtet werden, noch genießbares Essen zu spenden, was ein Beitrag gegen den Hunger sei und den CO₂-Ausstoß sofort reduzieren wĂŒrde. Damit dies passiere, mĂŒsse die Bundesregierung ein Essen-Retten-Gesetz nach dem Vorbild Frankreichs einbringen. Um eine umfassende Agrarwende einzuleiten, solle sich die Bundesregierung an den VorschlĂ€gen des BĂŒrgerrats Klima orientieren. So sollte sichergestellt werden, dass nachhaltig wirtschaftende Landwirtschaftsbetriebe besser entlohnt wĂŒrden und eine „gute ErnĂ€hrung“ fĂŒr alle Menschen erschwinglich werden wĂŒrde.cite-ref-20[20]

In Österreich forderte die Gruppe von der Bundesregierung, Maßnahmen gegen eine weitere Bodenversiegelung und fĂŒr eine Agrarwende bis 2030 zu treffen.cite-ref-21[21]

Dekarbonisierung

Sowohl mit Blick auf den Bericht des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) und die Auswirkungen des Klimawandels als auch mit Blick auf die Finanzierung des russischen Regimes und dessen Überfalls auf die Ukraine fordert die Gruppe ein Ende der staatlichen Finanzierung von Infrastruktur, die der Bereitstellung fossiler EnergietrĂ€ger wie Kohle, Erdöl und Erdgas dient.cite-ref-22[22] Im September 2023 forderte die Letzte Generation die Bundesregierung auf, bis 2030 die Verbrennung fossiler Brennstoffe wie Kohle, Öl und Erdgas in Deutschland einzustellen.cite-ref-23[23]

Tempo 100 und 9-Euro-Ticket

Im Herbst 2022 erhob die Aktionsgruppe Forderungen von zunĂ€chst einem Tempolimit von 100 km/h auf deutschen Autobahnen und einer Fortsetzung des 9-Euro-Tickets im öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV).cite-ref-ntv-24-0[24]cite-ref-25[25]

Forderungen nach einem Gesellschaftsrat

In einem Brief vom 6. MĂ€rz 2023 forderte die Letzte Generation die Einsetzung eines Gesellschaftsrates aus gelosten BĂŒrgern, der darĂŒber beraten solle, wie Deutschland bis 2030 klimaneutral werden könne. Die Bundesregierung solle öffentlich versprechen, den Empfehlungen dieses Rats zu folgen. In dem Brief hieß es: „Sollten wir bis zum 13.03.2023 keine Antwort von Ihnen erhalten, sehen wir keine andere Möglichkeit, als gegen den aktuellen Kurs Widerstand zu leisten.“ Man werde die öffentliche Ordnung maximal stören, „bis wir von Ihnen eine Reaktion bekommen, die es unserem Gewissen erlaubt, aufzuhören“.cite-ref-taz-23-03-2023-26-0[26] Nachdem Hamburgs BĂŒrgermeister Peter Tschentscher die Staatsanwaltschaft wegen versuchter Nötigung von Verfassungsorganen eingeschaltet hatte, entschuldigte sich die Letzte Generation per offenem Brief fĂŒr ihre als Drohung verstandene Forderung: Es sei nie ihr Ansinnen gewesen zu drohen.cite-ref-27[27] In einem Brief an die Bundesregierung vom April 2023 forderten die Klimaaktivisten weiterhin die Einrichtung eines Gesellschaftsrats, formulierten dann aber versöhnlicher: „Nutzen Sie dieses Instrument, um Ihrer Aufgabe, die deutsche Gesellschaft und die Verfassung zu schĂŒtzen und eine lebenswerte Zukunft zu gestalten, gerecht zu werden.“cite-ref-28[28]

Teilnahme an der Europawahl 2024

Im Februar 2024 wurde eine Sonstige Politische Vereinigung mit dem Namen Parlament aufmischen – Stimme der Letzten Generation gegrĂŒndet, um zur Europawahl 2024 anzutretencite-ref-29[29]. Unter den 12 Kandidaten aus verschiedenen deutschen StĂ€dten und mit zusĂ€tzlich zum Stand bzw. Beruf ergĂ€nzten Bezeichnung „KlimaschĂŒtzer“cite-ref-30[30] waren Lina Johnsen, Carla Hinrichs, RaĂșl Semmler und Henning Jeschke. Hauptpunkte des Programms sind:

1. StÀrkung und VerÀnderung der Demokratie durch GesellschaftsrÀte
2. Gerechter Ausstieg aus Öl, Gas & Kohle so schnell wie möglich
3. Soziale Gerechtigkeit weltweit
4. UnterstĂŒtzung von Bewegungen fĂŒr soziale und Klimagerechtigkeit

Am 29. MĂ€rz 2024 teilte der Bundeswahlausschuss mit, dass die Gruppe zur Wahl antreten durfte.cite-ref-bwa-31-0[31] Informationen ĂŒber die Aufstellungsversammlung (zum Beispiel: Datum, Ort, Anzahl der Teilnehmer, Kreis der Eingeladenen, Gegenkandidaturen um die SpitzenplĂ€tze, Wahlergebnisse) waren nicht öffentlich bekannt.

Die Vereinigung erzielte in Deutschland 104.340 Stimmen, entsprechend 0,3 Prozent, und erreichte so keinen Sitz im Parlament.cite-ref-32[32]

Strategie

Die Letzte Generation ist Teil einer internationalen Klimaprotestbewegung, deren einzelne Gruppen unterschiedliche Schwerpunkte haben und Strategien verfolgen. Anders als Fridays for Future, jedoch Àhnlich wie Extinction Rebellion, arbeitet die Letzte Generation vornehmlich mit störenden Aktionen des zivilen Ungehorsams.cite-ref-33[33]cite-ref-34[34] Diese haben das Ziel, Unternehmen und Regierungen angesichts der Klimakrise zum Handeln zu bewegen. Die Letzte Generation gibt an, dass ziviler Widerstand nicht ihr bevorzugtes Mittel, jedoch angesichts der unzureichenden Klimaschutzpolitik notwendig sei, um wahrgenommen zu werden.cite-ref-35[35]

Die Aktivisten richten nach eigenen Angaben ihr Handeln nach einem „Protestkonsens“ der Letzten Generation aus. Der höchste Wert sei die Gewaltfreiheit. Außerdem veröffentlichen sie Fotos und Videos von sich.cite-ref-36[36] In der Öffentlichkeit stoßen die Proteste jedoch oft auf Ablehnung.cite-ref-37[37]

Anfang 2024 kĂŒndigte die Letzte Generation einen „Strategiewechsel“ und das Ende des „Kapitel des Klebens“ an. Die Entscheidung fiel mit einem internen FĂŒhrungswechsel zusammen, zudem seien nicht genug „neue Leute“ zur Gruppe gestoßen, die bereit wĂ€ren, die Klebeblockaden anstelle von Aktionen und Strafverfolgung erschöpfter Aktivisten fortzusetzen. Großdemonstrationen und gezielte Störaktionen gegenĂŒber Politikern oder kritischen Infrastrukturen wie Pipelines sollen neue Hauptprotestformen werden.cite-ref-38[38]cite-ref-39[39] Tage spĂ€ter gaben sie bekannt, zur Wahl des EU-Parlaments 2024 anzutreten.cite-ref-40[40]

Struktur

Die Letzte Generation wurde im Dezember 2021 von Henning Jeschke, Lea Bonasera und Melanie Guttmann gegrĂŒndet.cite-ref-41[41] Jeschke und Bonasera hatten vorab bereits an Aktionen von Extinction Rebellion und am Hungerstreik der letzten Generation teilgenommen.cite-ref-42[42]cite-ref-43[43] Struktur und Protestformen wurden aus den Vorgaben des A22-Netzwerks ĂŒbernommen, einem internationalen Zusammenschluss von 12 nationalen Gruppen. An der Spitze der hierarchisch aufgebauten Letzten Generation stehen das dreiköpfige „Kernteam“ und darunter das „Strategieteam“, die grundlegende und strategische Entscheidungen („Kampagnenziele“) treffen und an Arbeitsgemeinschaften wie „Legalteam“, „Finanzteam“ und „Presseteam“ weitergeben. Auf dieser dritten Ebene befinden sich auch sechs regionale Strategieteams, in denen die Kampagnenziele an Gegebenheiten vor Ort angepasst werden. Diese unterweisen die auf der vierten Ebenen befindlichen lokalen Protestgruppen (die sich u. a. auf den Straßen festkleben).cite-ref-44[44] Im internen Sprachgebrauch fĂŒhren „Bienenkönige und -innen“ diese Aktivistengruppen auf der untersten Ebene, bestehend aus den „Arbeitsbienen“, gleichzeitig „Keimzellen“, an.cite-ref-45[45] Festgenommenen Aktivisten stehe ein „Ermittlungsausschuss“ zur VerfĂŒgung, darĂŒber hinaus Psychologen der Gruppe „Psychologists for Future“.cite-ref-die-welt-46-0[46]cite-ref-system-47-0[47]

Das Alter der Aktivisten reicht von etwa 19 Jahren bis zu 73 Jahren.cite-ref-48[48]cite-ref-49[49]cite-ref-system-47-1[47] Laut Selbstangaben arbeitet die Mehrheit nebenbei, andere haben ihr Studium aufgegeben oder unterbrochen, um sich ganz dem Aktivismus zu widmen.cite-ref-die-welt-46-1[46] Die genaue Zahl der Mitglieder ist unklar; SchĂ€tzungen reichen im Jahr 2022 von 80cite-ref-50[50] bis 600cite-ref-51[51] bzw. mehreren Hundert Mitgliedern.cite-ref-die-welt-46-2[46] Eine Aktivistin gab im Dezember 2022 an, die Aktionen hĂ€tten mit 30 Menschen begonnen, die auf 750 angewachsen seien.cite-ref-rnd-52-0[52] Laut Welt am Sonntag befanden sich im Februar 2023 in einer öffentlich zugĂ€nglichen Liste persönliche Daten von mehr als 2200 Personen.cite-ref-53[53] Anfang 2023 schloss sich der Journalist Raphael Thelen der Gruppierung an,cite-ref-54[54] Lorenz RollhĂ€user beteiligte sich 2023 an einer Straßenblockade.cite-ref-55[55] Einige Polizisten sind fĂŒr die „Polizeivernetzung“ aktiv.cite-ref-56[56]cite-ref-57[57]

Im Oktober 2023 kĂŒndigte Sprecherin Carla Hinrichs an, dass sich drei der sechs Mitglieder der Kerngruppe aus dieser zurĂŒckziehen wĂŒrden. GrĂŒndungsmitglied Henning Jeschke wechsle in das Strategieteam des A22-Netzwerks. Das dreiköpfige GrĂŒndungsteam solle ein Vetorecht behalten. Die Kerngruppe war unter anderem wegen des Umgangs mit Roger Hallam, dem britischen Umweltaktivisten und Vordenker der Letzten Generation, in die Kritik geraten.cite-ref-58[58]

Seit Ende 2023 ist die Marke „Letzte Generation“ und die dazugehörende bildliche Markendarstellung beim Deutschen Patent- und Markenamt fĂŒr den Klima und UmweltaufklĂ€rung fĂŒr den Erhalt der lebenssichernden Ökosysteme e. V. eingetragen und geschĂŒtzt.cite-ref-59[59]cite-ref-60[60]

Am 6. August 2024 kĂŒndigte die Letzte Generation Österreich per Presseaussendung das Ende der Klimaproteste an, zumal man „keine Perspektive fĂŒr Erfolg mehr“ sehe.cite-ref-61[61]

Aktionsformen

Eigenen Angaben zufolge fĂŒhrte die Aktionsgruppe im Zeitraum von Januar bis Oktober 2022 rund 370 Aktionen durch.cite-ref-ntv-24-1[24] Laut einem Lagebild des Bundeskriminalamtes von Juni 2023 sind Personen aus der Gruppierung Letzte Generation seit Anfang 2022 verantwortlich fĂŒr 580 Straftaten, bei denen 740 Personen in Erscheinung getreten sind. Bei den Delikten handelte es sich ĂŒberwiegend um Nötigungen und SachbeschĂ€digungen.cite-ref-62[62]

Hungerstreiks

Im August 2021 begannen Klimaaktivisten, die zuvor auch bei Fridays for Future, Extinction Rebellion und anderem aktiv waren, den Hungerstreik der letzten Generation, woraus sich dann der Aufstand der Letzten Generation und die Gruppe Letzte Generation entwickelte.

Container-Aktionen

Um darauf aufmerksam zu machen, dass ein erheblicher Teil der produzierten Lebensmittel weggeworfen wird, fĂŒhrte die Gruppe deutschlandweit Container-Aktionen durch. Vor allem in der FrĂŒhphase der Letzten Generation entnahmen Aktivisten weggeworfene Lebensmittel aus SupermarktmĂŒlltonnen, verschenkten diese in verschiedenen StĂ€dten öffentlich unter Hinweis auf die illegale Herkunft oder warfen sie bei Straßenblockaden auf die Fahrbahn.cite-ref-63[63]cite-ref-64[64] Einige Aktivisten zeigten sich aus Protest gegen die rechtliche Einordnung des Containerns als Diebstahl selbst an.cite-ref-65[65]cite-ref-66[66] Somit soll mediale Aufmerksamkeit auf das Thema gelenkt werden.cite-ref-67[67] In der Schweiz hatten Gerichte schon in frĂŒheren Jahren festgestellt, dass es sich bei Containerentnahmen nicht um Diebstahl handelt.

Blockierung von Infrastruktur

Verkehr (Beispiele)

Straßenblockaden waren die zentrale Aktionsform der Gruppe, die sich hierbei an der britischen Klimaschutz-Aktionsgruppe Insulate Britain orientierte.cite-ref-68[68] Um die RĂ€umung der Straßenblockaden durch die Polizei zu erschweren, klebten sich Aktivisten dabei regelmĂ€ĂŸig mit ihren Hand- oder FußflĂ€chen mit Sekundenkleber, Bauschaum oder Schnellbeton („BetonhĂ€nde“)cite-ref-69[69] auf der Straße fest. Die Blockadetechnik geht auf die britische Aktivistin Penny Eastwood, genannt Super Glue Penny, zurĂŒck.cite-ref-70[70] Wegen dieser Protestaktionen etablierte sich der von Bild geprĂ€gte,cite-ref-71[71] oftmals abwertend gebrauchte Begriff „Klimakleber“, der vereinzelt auch von Aktivisten selbst gebraucht wirdcite-ref-72[72] und 2024 Einzug in den Duden fand.cite-ref-73[73] Um weitere Mitstreiter zu gewinnen, fĂŒhrten Aktivisten fĂŒr Interessierte deutschlandweit einschlĂ€gige Aktionstrainings durch.cite-ref-rnd-52-1[52] Im Januar 2024 kĂŒndigte die Gruppe an, in Zukunft nicht mehr mit Klebeaktionen fĂŒr ihre Ziele protestieren, sondern auf andere Protestformen zu setzen.cite-ref-74[74]

Im November 2021 forderten Mitglieder der Letzten Generation im GesprĂ€ch mit Olaf Scholz (damals designierter Bundeskanzler), innerhalb von 100 Tagen ein Gesetz in den Bundestag einzubringen, um das Wegwerfen von Lebensmitteln zu verbieten. Andernfalls werde die Gruppe mit Straßenblockaden ihren politischen Forderungen Nachdruck verleihen.cite-ref-75[75] Scholz lehnte dies ab.

Am 24. Januar 2022 blockierten Aktivisten erstmals Autobahn-Anschlussstellen rund um Berlin. Allein im ersten Monat registrierte die Berliner Polizei 44 Blockaden, bei denen 180 Menschen vorlĂ€ufig festgenommen wurden. In zwölf FĂ€llen ordneten Richter einen 24-stĂŒndigen Unterbindungsgewahrsam an, um weitere Taten zu verhindern.cite-ref-76[76] Zur BĂŒndelung der Ermittlungen richtete das Landeskriminalamt Berlin die Ermittlungsgruppe „EG Asphalt“ ein.cite-ref-77[77] Berlin war von Anfang an am stĂ€rksten von den Blockaden betroffen. Die Aktivisten weiteten im Laufe des Jahres ihre Straßenblockaden auf ganz Deutschland aus. Seit Februar 2022 blockiert die Gruppe zudem Verkehrsknoten und Autobahnen in Österreich.cite-ref-78[78]

Nach Ablauf eines weiteren Ultimatums an Olaf Scholz zur Einbringung eines „Essen-Retten-Gesetzes“ in den Bundestag, kĂŒndigte die Gruppe im Februar 2022 an, die Blockaden auf Luft- und Schiffverkehr auszuweiten. Etwa 35 Aktivisten blockierten Teile des Hamburger Hafens und die KöhlbrandbrĂŒcke.cite-ref-1-79-0[79] Nach eigenen Angaben vergoss die Gruppe zudem 60 Liter Rapsöl auf der Fahrbahn der BrĂŒcke; sie wollte damit eine „Störung des todbringenden Alltags“ erreichen. Zwei Aktivisten sprangen in das Hafenbecken, um den Schiffsverkehr zu stören.cite-ref-80[80]cite-ref-deu-81-0[81]cite-ref-82[82] Kurz darauf blockierten Aktivisten die Zufahrtsstraßen zu FlughĂ€fen in Berlin, Frankfurt am Main und MĂŒnchen.cite-ref-83[83]

Im April 2022 fĂŒhrte die Gruppe in Frankfurt am Main innerhalb einer Woche rund 20 Blockadeaktionen an neuralgischen Verkehrsknotenpunkten durch. Einige Teilnehmer klebten sich auf der Fahrbahn fest und verteilten eine ölartige FlĂŒssigkeit auf der Fahrbahn, wodurch vier Radfahrer stĂŒrzten und sich zum Teil verletzten. Insgesamt wurden fast 200 Personen festgenommen und etwa 140 Ermittlungsverfahren eingeleitet, unter anderem wegen Nötigung, gefĂ€hrlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, Körperverletzung und SachbeschĂ€digung. Über 30 Personen wurden lĂ€ngerfristig in Gewahrsam genommen.cite-ref-84[84]

Bei neuerlichen Straßenblockaden im Oktober 2022 in Berlin wurde teils scharfe Kritik an den Aktivisten geĂ€ußert, weil ein Rettungsfahrzeug der Feuerwehr aufgrund einer Blockade verspĂ€tet an einem Unfallort eintraf. Die Gruppe teilte mit, dass man bestĂŒrzt sei. Das Unfallopfer starb am 3. November 2022.cite-ref-85[85] Allerdings teilte die Berliner Staatsanwaltschaft im April 2023 mit, dass gegen die beteiligten Aktivisten keine Anklage wegen eines Tötungs- oder Körperverletzungsdelikts erhoben werde, da diese „nicht fahrlĂ€ssig fĂŒr den Tod der Frau verantwortlich“ sind. Der Tod der Frau hĂ€tte auch bei rechtzeitiger Hilfe nicht verhindert werden können.cite-ref-86[86]cite-ref-87[87]

Am 3. November 2022 klebten sich Aktivisten in MĂŒnchen an eine Straße am Stachus. Wenige Stunden nach der Blockadeauflösung wiederholten 15 Aktivisten die Aktion. Die Polizei beantragte fĂŒr sie einen einmonatigen Unterbindungsgewahrsam nach dem bayerischen Polizeiaufgabengesetz.cite-ref-88[88] Die Aktion war eine SolidaritĂ€tsbotschaft an zuvor in Unterbindungsgewahrsam genommene Mitglieder der Gruppe Scientist Rebellion.cite-ref-89[89]

Am 24. November 2022 drang eine Gruppe von Aktivisten in das GelĂ€nde des Flughafens Berlin Brandenburg ein und klebte sich auf dem Rollfeld fest, woraufhin der Flugbetrieb vorĂŒbergehend eingestellt werden musste. Mehrere Aktivisten wurden in Gewahrsam genommen und Anzeigen wegen gefĂ€hrlichen Eingriffs in den Flugverkehr, Störung öffentlicher Betriebe, Hausfriedensbruchs und SachbeschĂ€digung erstattet.cite-ref-90[90]cite-ref-91[91] Am 8. Dezember 2022 drangen Aktivisten in das GelĂ€nde des Flughafens Berlin Brandenburg und des Flughafens MĂŒnchen ein, woraufhin es zu Rollfeldsperrungen und BeeintrĂ€chtigungen des Flugverkehres kam.cite-ref-92[92]cite-ref-93[93] Ein Flugzeug mit einem Notfallpatienten konnte erst mit 20-minĂŒtiger VerspĂ€tung in MĂŒnchen landen.cite-ref-94[94]

Im Verlauf des Jahres 2023 wurden nach eigenen Angaben 1250 Straßen blockiert.cite-ref-95[95]

Am 5. Mai 2023 drangen Aktivisten nach dem Durchschneiden des Zaunes erneut in das GelĂ€nde des Flughafens Berlin Brandenburg ein, um nach eigenen Angaben „Privatjets als gefĂ€hrliche GegenstĂ€nde“ zu markieren. Bei der Aktion wurde ein Kleinflugzeug mit oranger Farbe besprĂŒht.cite-ref-96[96]

Am 13. Juli 2023 schnitten sich Aktivisten durch SicherheitszĂ€une und klebten sich auf Zubringerwegen in der NĂ€he von Start- und Landebahnen der FlughĂ€fen Hamburg und DĂŒsseldorf fest. In Hamburg mussten zum Ferienbeginn 50 FlĂŒge (AbflĂŒge und AnkĂŒnfte) annulliert werden, in DĂŒsseldorf mehrere. Daneben gab es VerspĂ€tungen und Umleitungen. Justizminister Marco Buschmann wies auf Schadensersatzforderungen in Millionenhöhe hin.cite-ref-97[97] Tags darauf wurde der morgendliche Berufsverkehr in 26 StĂ€dten blockiert.cite-ref-98[98] In Bamberg wurde bereits einige Tage zuvor der Feierabendverkehr von den Klimaaktivisten blockiert.cite-ref-99[99] Laut einem Medienbericht vom 17. Dezember 2023 erhob die Fluggesellschaft Eurowings (stellvertretend fĂŒr alle Lufthansa-Töchter) wegen der Blockadeaktionen an den FlughĂ€fen Berlin, DĂŒsseldorf und Hamburg eine Schadenersatzforderung in Höhe von insgesamt 740.000 Euro.cite-ref-100[100]

Am 28. Oktober 2023 blockierten mehrere hundert Aktivisten der Letzten Generation, zum Teil klebend, die Straße des 17. Juni in Berlin,cite-ref-101[101] vier Wochen spĂ€ter fand eine Ă€hnliche Blockade ohne Klebungen statt.cite-ref-102[102] Am 20. November 2023 betonierten sich Aktivisten der Letzten Generation auf der SĂŒdautobahn (A2) bei Vösendorf in Niederösterreich auf der Straße fest.cite-ref-orf3233191-103-0[103]

Am 16. MĂ€rz und 20. April 2024 fĂŒhrte die Letzte Generation zeitgleich in mehreren deutschen StĂ€dten angezeigte bzw. nicht angezeigte „Ungehorsame Versammlungen“ mit jeweils etwa hundert Teilnehmern durch. GemĂ€ĂŸ der geĂ€nderten Strategie wurden dabei Straßen blockiert, ohne dass Aktivisten sich festklebten.cite-ref-104[104]cite-ref-105[105]cite-ref-106[106]cite-ref-107[107]cite-ref-108[108]

Energie

Im April und Mai 2022 versuchten Aktivisten, die Notabschaltung von Ölpipelines zu manipulieren, um den Ölfluss zu stoppen. Dies erfolgte an mehreren ostdeutschen Orten, so in Demmin, Schwedt und Strasburg. Die Polizei entfernte die teilweise angeketteten und angeklebten Aktivisten, nahm sie lĂ€ngerfristig in Gewahrsam und leitete Ermittlungsverfahren wegen Hausfriedensbruchs, SachbeschĂ€digung und Störung öffentlicher Betriebe ein.cite-ref-109[109]

Das Landgericht Neubrandenburg im Oktober 2022cite-ref-110[110] und das Oberlandesgericht Rostock im MĂ€rzcite-ref-111[111] bzw. Aprilcite-ref-112[112] 2023 befanden die Besetzung von Erdölpumpstationen der Raffinerie in Schwedt als Hausfriedensbruch, verneinten eine Rechtfertigung und untersagten unter anderem, Eingriffe an technischen Einrichtungen, wie insbesondere Pump- und/oder Zwischenpumpstationen, vorzunehmen sowie die Veröffentlichung der angefertigten Protestbilder im Rahmen einer einstweiligen VerfĂŒgung. „Wenn jeder meinen wĂŒrde, er könne – wenn ihm etwas nicht gefĂ€llt – eine Straftat begehen, dann landen wir im Chaos“, hatte ein Sprecher des Landgerichts kommentiert.cite-ref-113[113]

Aktionen an GebÀuden

Das Bundeskanzleramt in Berlin war wiederholt von Aktionen betroffen: Am 14. Dezember 2021 schrieben fĂŒnf Aktivistinnen der Gruppe die Forderung „Essen Retten Agrarwende Gesetz jetzt! 2030“ auf die Fassade. Die Polizei schritt ein und ließ den Schriftzug entfernen.cite-ref-114[114]cite-ref-115[115] Am 12. Februar 2022 pflanzten Aktivisten auf einer RasenflĂ€che vor dem GebĂ€ude Kartoffeln an.cite-ref-116[116] Am 22. Juni 2022 beschmierten etwa 20 Aktivisten eine Wand des Bundeskanzleramtes mit schwarzer FlĂŒssigkeit und zeigten Transparente mit der Aufschrift „Öl sparen statt bohren“. Sie verlangten von Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) eine ErklĂ€rung, dass keine neue Infrastruktur fĂŒr fossile EnergietrĂ€ger gebaut wird.

DarĂŒber hinaus gab es auch Aktionen an anderen politischen GebĂ€uden: In Berlin rissen im April 2022 als Bauarbeiter verkleidete Aktivisten vor dem Bundeswirtschaftsministerium den BĂŒrgersteig auf und legten Rohre mit der Aufschrift „Qatar Stream“ ab.cite-ref-117[117] Außerdem beschmutzten sie die Fassade des Ministeriums mit einer schwarzen FlĂŒssigkeit aus Protest gegen die PlĂ€ne, Erdöl in der Nordsee zu fördern.cite-ref-118[118]

Im Oktober 2022 legten Aktivisten mehr als 500 Tempo-100-Schilder vor dem Bundesverkehrsministerium ab.cite-ref-119[119] Verkehrsminister Volker Wissing hatte die EinfĂŒhrung selbst eines vorĂŒbergehenden Tempolimits abgelehnt, mit der BegrĂŒndung, dass dafĂŒr nicht genĂŒgend Schilder auf Lager wĂ€ren.cite-ref-120[120]

Am 2. November 2022 besprĂŒhten Aktivisten die Parteizentralen von SPD, BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen und FDP in Berlin großflĂ€chig mit oranger Farbe. Die Aktionen richteten sich gegen die Ampelkoalition, weil sie „keinen Plan gegen den Klimakollaps“ habe.cite-ref-121[121] Am 15. Dezember 2022 klebten sich Aktivisten vor mehreren Einfahrten der Tiefgarage des Deutschen Bundestages in Berlin fest. Zwei weitere Aktivisten konfrontierten vor einem Eingang des ReichstagsgebĂ€udes ankommende Abgeordnete mit ihren Anliegen.cite-ref-122[122]

Zwei Tage nach der Blockade der Leipziger Jahnallee, am 11. Mai 2022, besetzten Mitglieder der Gruppe und Studierende Teile des GelĂ€ndes der UniversitĂ€t Leipzig, vornehmlich des Auditorium maximum. Die Besetzer forderten durch die Rektorin der UniversitĂ€t, Eva InĂ©s Obergfell, eine Positionierung „offiziell, öffentlich und gerichtet an Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck (BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen) gegen den Neubau von fossilen Infrastrukturprojekten“, insbesondere „gegen neue Ölbohrungen in der Nordsee“.cite-ref-123[123] Die Besetzung endete am 13. Mai mit einer gemeinsamen ErklĂ€rung der Protestierenden und der UniversitĂ€tsleitung.cite-ref-124[124]

Im Rahmen der Besetzung und RĂ€umung von LĂŒtzerath wurde die RWE-Zentrale in Essen besprĂŒht.cite-ref-125[125] Am 16. Oktober 2023 besprĂŒhten Aktivisten in einer synchronisierten Aktion u. a. den Haupteingang der Technischen UniversitĂ€t Berlin, das Audimax der UniversitĂ€t zu LĂŒbeck, den Eingang der Neuen UniversitĂ€t in Heidelberg, die UniversitĂ€t Bremen und die UniversitĂ€tsbibliothek in Freiburg.cite-ref-126[126]cite-ref-127[127] Im gleichen Monat gab es Ă€hnliche Aktionen an GebĂ€uden der UniversitĂ€t Graz, des Karlsruher Instituts fĂŒr Technologie und der Eberhard Karls UniversitĂ€t TĂŒbingen.cite-ref-128[128]cite-ref-129[129]

Am 6. November 2024 besprĂŒhten Aktivisten der Letzten Generation das GebĂ€ude Tour TotalEnergies in Berlin-Moabit, in dem das gleichnamige Energie-Unternehmen seine Deutschland-Zentrale hat, mit oranger Farbe. Ziel der Protestaktion war es, Aufmerksamkeit vor dem geplanten Gasgipfeltreffen zu erreichen, bei dem es unter anderem um die Versorgung mit LNG geht.cite-ref-130[130]

Aktionen an Kulturobjekten

Am 23. August 2022 klebten zwei Aktivisten der Gruppe in der GemĂ€ldegalerie Alte Meister in Dresden sich selbst mit jeweils einer Hand am Rahmen der Sixtinischen Madonna fest, um damit nach eigenen Angaben auf die Zerstörungen durch die menschengemachte globale ErwĂ€rmung aufmerksam zu machen. Sie beschĂ€digten dabei den Rahmen (ein Sachschaden in Höhe von 5000 €); das GemĂ€lde blieb unbeschĂ€digt.cite-ref-131[131]cite-ref-132[132] Ähnliche Aktionen erfolgten am 24. August im StĂ€del Museum in Frankfurt am Main am GemĂ€lde Gewitterlandschaft mit Pyramus und Thisbe von Nicolas Poussincite-ref-133[133] und am 25. August in der Berliner GemĂ€ldegalerie am GemĂ€lde Ruhe auf der Flucht nach Ägypten von Lucas Cranach dem Älteren.cite-ref-134[134]

Am 23. Oktober 2022 bewarfen zwei Aktivisten im Museum Barberini in Potsdam ein verglastes Bild von Claude Monet aus der Serie Les Meules mit Kartoffelbrei.cite-ref-135[135] Am 15. November 2022 fĂŒhrten zwei Aktivisten im Wiener Leopold Museum eine Aktion gegen das GemĂ€lde Tod und Leben des österreichischen Malers Gustav Klimt durch. Hintergrund war das Sponsoring des Museums durch den österreichischen Öl- und Gaskonzern OMV. WĂ€hrend ein Aktivist Öl auf das Schutzglas des GemĂ€ldes schĂŒttete, klebte sich der andere Aktivist mit einer Hand am Schutzglas des GemĂ€ldes fest. Das Bild selbst wurde wegen des angebrachten Schutzglases nicht beschĂ€digt.cite-ref-136[136] Seit August 2022 wurden zahlreiche vergleichbare Aktionen auch von anderen Gruppen im Vereinigten Königreich, in Italiencite-ref-137[137] und in den Niederlanden durchgefĂŒhrt.cite-ref-138[138]

Am 30. Oktober 2022 klebten sich zwei Klimaaktivistinnen an den Haltestangen eines Dinosaurierskelettes im Berliner Museum fĂŒr Naturkunde fest.cite-ref-139[139]

Nach einer Straßenblockade am 6. Februar 2023 in Hannover beschmierten Aktivisten das Ernst-August-Denkmal vor dem dortigen Hauptbahnhof mit oranger Farbe.cite-ref-140[140]

Aktivisten brachten am 4. MĂ€rz 2023 auf eine Glasskulptur vor dem Jakob-Kaiser-Haus in Berlin eine dunkle FlĂŒssigkeit, bestehend aus Tapetenleim und Dispersionsfarbe,cite-ref-141[141] auf und beklebten sie mit Plakaten unter dem Tenor „Erdöl oder Grundrechte?“. Bei der Skulptur handelt es sich um das Werk „Grundgesetz 49“ des israelischen Bildhauers Dani Karavan, das die Grundrechtsartikel (1–19) des Grundgesetzes in der Urfassung von 1949 wiedergibt. Die Polizei traf sechs Aktivisten an.cite-ref-142[142]

Im Mai 2023 schĂŒtteten Aktivisten des italienischen Pendants der Letzten Generation (Ultima Generazione) schwarze Farbe in das Becken des Trevi-Brunnens und entrollten Transparente in Rom, um den Stopp öffentlicher Subventionen fĂŒr fossile Brennstoffe zu fordern.cite-ref-143[143]

In Berlin besprĂŒhte die Letzte Generation im September 2023 mit prĂ€parierten Feuerlöschern die SĂ€ulen des Brandenburger Tors großflĂ€chig mit oranger Farbe,cite-ref-144[144] am 17. Oktober die denkmalgeschĂŒtzte Weltzeituhr am Alexanderplatz und posierte dort mit einem Transparent mit der Aufschrift: „Uns lĂ€uft die Zeit davon“.cite-ref-145[145]

Im Dezember 2023 besprĂŒhten Aktivisten der Letzten Generation öffentliche WeihnachtsbĂ€ume in mehreren deutschen GroßstĂ€dten. Dabei wurden Plakate mit der Aufschrift „Besinnlich in die Katastrophe? NĂ€chstenliebe = Klimaschutz“ gezeigt.cite-ref-146[146]

Kooperationen mit Museen

Ende Mai 2023 kĂŒndigte die Letzte Generation an, sich an Kunstinstallationen und Lesungen zur Dringlichkeit des Klimaschutzes zu beteiligen. Die Aktion, an der zum Internationalen Museumstag das Kölner Museum Ludwig, das Museum fĂŒr Kommunikation NĂŒrnberg, die Kunsthalle Hamburg, die Kunsthalle Rostock, das EuropĂ€ische Hansemuseum LĂŒbeck, das Museum fĂŒr Völkerkunde zu Leipzig, das Deutsche Hygienemuseum Dresden und das Zeppelin-Museum Friedrichshafen teilnehmen, wurde durch die Museen initiiert.cite-ref-147[147]

Stören von Veranstaltungen

Ein Fußballbundesligaspiel in der bayerischen Allianz Arena am 28. August 2022 wurde kurzzeitig gestört.cite-ref-148[148]

Vor einem Konzert in der Hamburger Elbphilharmonie klebten sich am 23. November 2022 zwei Aktivisten ans GelÀnder des Dirigentenpults.cite-ref-149[149] Ein Ordner hob das nicht fest montierte GelÀnder aus dem Pult und zog unter Applaus des Publikums die festhÀngenden Aktivisten aus dem Saal.cite-ref-150[150] Im Zuge des Neujahrskonzertes der Wiener Philharmoniker 2023 wurden LG-Aktivisten vor dem Goldenen Saal des Wiener Musikvereines von Beamten erkannt und von einer geplanten Aktion abgehalten. Sie hatten ein Banner mit der Aufschrift Zwei Jahre noch sowie Klebstoff bei sich.cite-ref-151[151]

Am 23. Februar 2023 klebte sich Henning Jeschke, ein GrĂŒndungsmitglied der Letzten Generation, wĂ€hrend einer Gerichtsverhandlung im Amtsgericht Tiergarten in Berlin am Richtertisch fest. Gegen ihn wurde wegen Nötigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und gefĂ€hrlichen Eingriffs in den Straßenverkehr verhandelt. Er habe sich festgeklebt, weil er mit dem Richter ĂŒber Klimanotstand reden wollte. Anschließend wurde Jeschke mit dem Tisch aus dem Gerichtssaal getragen.cite-ref-152[152]

Am 20. Juni 2023 wurde ein Testspiel der deutschen Fußballnationalmannschaft gegen Kolumbien in der Gelsenkirchener Veltins-Arena kurzzeitig gestört.cite-ref-153[153]

Die Premiere des Jedermann bei den Salzburger Festspielen im Juli 2023 wurde von Zwischenrufen von Aktivisten der Letzte Generation unterbrochen, Zuschauern war der Austria Presse Agentur zufolge anfangs nicht klar, ob es sich um eine Störaktion oder um einen Teil der Inszenierung handelte.cite-ref-154[154] Die Eröffnung der Thurn-und-Taxis-Schlossfestspiele im Juli 2023 wurde von einer Aktivistin gestört, die sich an ein BĂŒhnenteil klebte und mit einer Rede an das Publikum wandte.cite-ref-155[155]

Beim Berlin-Marathon im September 2023 schĂŒtteten Aktivisten orange Farbe auf die Laufstrecke, die Polizei schritt schnell ein.cite-ref-156[156]

Kooperationen mit Theatern und Schauspiel

Mitte Juni 2023 folgte die Letzten Generation einer Einladung der VolksbĂŒhne Berlin, gemeinsam das dokumentarische StĂŒck „Hausbesuchung“ aufzufĂŒhren. Das Theater solidarisierte sich im Vorfeld mit einem großen Banner an der Fassade, das den Namen der Gruppe trug.cite-ref-157[157]cite-ref-158[158]cite-ref-159[159] 2022 hatten Aktivisten bei einem Auftritt in einer AuffĂŒhrung Volker Löschs am Theater Bonn mitgewirkt.cite-ref-160[160]

Aktion gegen die Waldrodung

Im Februar 2023 wurde ein junger Rot-Ahorn im Regierungsviertel in Berlin abgesĂ€gt, um laut eigenen Angaben der Gruppe auf die Waldrodung aufmerksam zu machen. Die BezirksstadtrĂ€tin fĂŒr Mitte wies zu dieser Aktion darauf hin, dass StadtbĂ€ume in Zeiten der Klimakrise essentiell seien, um StĂ€dte herunterzukĂŒhlen und Schatten zu spenden. Alle, die das Klima wirklich schĂŒtzen wollen, sollten sich daher fĂŒr mehr BĂ€ume einsetzen und nicht BĂ€ume fĂ€llen. Ein Rot-Ahorn im ausgewachsenen Zustand könne 10 Kilogramm CO2 pro Jahr speichern. Den Schaden des abgesĂ€gten Rot-Ahorns beziffert das Amt mit 10.000 Euro; gegen die Beteiligten sei Strafanzeige gestellt worden.cite-ref-161[161]cite-ref-162[162]

Aktionen gegen Vermögende

Mit dem sogenannten „Sommerplan 2023“ kĂŒndigten Vertreter der Letzten Generation an, sich bei kĂŒnftigen Aktionen vor allem auf „Symbole des modernen Reichtums“ fokussieren zu wollen. Die Aktivisten begrĂŒndeten dies mit der Korrelation von Vermögen, Ressourcenverbrauch und CO2-Emissionen.cite-ref-163[163] Am 6. Juni 2023 schnitten sich Aktivisten durch den Zaun des Flughafens Sylt und besprĂŒhten einen Cessna CitationJet mit oranger Farbe,cite-ref-164[164] geschĂ€tzte Schadenshöhe ĂŒber 200.000 Euro.cite-ref-165[165] Zwei Tage spĂ€ter wurde der Barraum eines Sylter FĂŒnf-Sterne-Hotels auf die gleiche Weise beschĂ€digt.cite-ref-166[166] Laut Institut fĂŒr Protest- und Bewegungsforschung erhielten diese Aktionen deutlich weniger Aufmerksamkeit als Straßenblockaden an von einem breiteren Teil der Bevölkerung frequentierten Orten.cite-ref-167[167]

Im gleichen Monat wurden auf Sylt Schaden am Rasen des Golfplatzes Budersand verursacht, indem Aktivisten zwei junge BĂ€ume und mehrere Blumen pflanzten, um auf den erheblichen FlĂ€chenverbrauch des Platzes mit allenfalls geringem Beitrag zur BiodiversitĂ€t sowie die Notwendigkeit der Renaturierung von Landschaften aufmerksam zu machen. Zudem wiesen die Aktivisten auf den hohen Pflegebedarf und Wasserverbrauch des Rasens hin, indem eines ihrer Banner die Aufschrift „Euer Luxus = Unsere Wasserknappheit“ zeigte.cite-ref-168[168]cite-ref-169[169]

Weiterhin blockierten die Aktivisten den Haupteingang des Ritz Carlton Berlincite-ref-170[170] und besprĂŒhten eine Yacht im Yachthafen von Neustadt in Holstein orange.cite-ref-171[171]

International

Die Gruppe beteiligte sich am 30. September und 1. Oktober 2023 an der Besetzung der Autobahn A12, zwischen Wirtschaftsministerium und der 2. Parlamentskammer in Den Haag.cite-ref-172[172]cite-ref-173[173] Circa 100 Aktivisten nahmen teil.cite-ref-174[174]

Juristische Einordnung

Hintergrund

GemĂ€ĂŸ dem Klimabeschlusscite-ref-175[175] des deutschen Bundesverfassungsgerichts vom 24. MĂ€rz 2021 ergibt sich aus Artikel 2 des Grundgesetzes eine Schutzpflicht des Staates, das „Leben und Gesundheit vor den Gefahren des Klimawandels zu schĂŒtzen“, was auch „in Bezug auf kĂŒnftige Generationen“ zu verstehen ist. Außerdem verpflichtet Artikel 20a des Grundgesetzes fĂŒr die Bundesrepublik Deutschland den Staat zum Klimaschutz. Artikel 20a habe jedoch keinen unbedingten „Vorrang gegenĂŒber anderen Belangen“, sondern die Norm sei „im Konfliktfall in einen Ausgleich mit anderen VerfassungsrechtsgĂŒtern und Verfassungsprinzipien zu bringen“. In der strafrechtlichen Aufarbeitung der Aktionen ist die zentrale Frage, wie die grundrechtlichen Schutzpflichten und Artikel 20a des Grundgesetzes auf die Bewertung der Aktionen anzurechnen sind.cite-ref-176[176]cite-ref-agfreiburg-177-0[177]

In einem offenen Brief unterstĂŒtzen 70 Professoren des Verfassungs- und Völkerrechts die Letzte Generation in Ihrer Auffassung, dass die Bundesregierung durch die Verfassung zu Klimaschutzmaßnahmen verpflichtet ist, und forderten einen Fokus auf Lösungen fĂŒr die Klimaproblematik.cite-ref-178[178]cite-ref-179[179]

Der Verfassungsrichter am Verfassungsgerichtshof in Koblenz, Michael Hassemer, bewertet in einem Interview die Proteste unter UmstĂ€nden bis zu einem gewissen Maß als gerechtfertigt. Hassemer versteht die globale ErwĂ€rmung als Notstand. Die etwaigen Straftaten der Letzten Generation könnten somit als nicht rechtswidrig gemĂ€ĂŸ § 34 Strafgesetzbuch (StGB) gewertet werden, weil dies einen rechtfertigenden Notstand beschreibe.cite-ref-180[180]

Der Jurist und Journalist Ronen Steinke bezeichnete die Aktionen der Letzten Generation als zivilen Ungehorsam von der „bravsten Sorte“. Nichtsdestotrotz seien ihre Aktionen illegal und „Klima-Selbstjustiz“. Allerdings spitze sich die klimapolitische Situation zu und bei „Aussichtslosigkeit behördlichen Einschreitens“ könne ausnahmsweise doch ein rechtfertigender Notstand nach § 34 StGB denkbar sein, wie bezĂŒglich des Widerstandes gegen langanhaltende illegale ZustĂ€nde in der Massentierhaltung schon geurteilt wurde.cite-ref-181[181]

Nach dem Strafrechtler Till Zimmermann scheitert bei Straßenblockaden durch Klimaaktivisten eine strafrechtliche Rechtfertigung durch Notstand an der fehlenden Angemessenheit. Die Rechtsordnung sehe fĂŒr diese FĂ€lle abschließende Spezialregeln zur Auflösung einer Interessenkollision vor [vgl. Rechtfertigender Notstand (Deutschland)#Gefahrenabwehr durch gesetzliches Verfahren]. Ein „fortgesetztes rechtswidriges legislatorisches Unterlassen hinsichtlich des Ergreifens wirksamer Klimaschutzmaßnahmen“ liege auch nach dem Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts nicht vor.cite-ref-182[182]

Diskussion der StraftatbestÀnde

Hinsichtlich der Strafbarkeit der Aktionen der letzten Generation ist zu differenzieren zwischen bei entsprechenden Aktionen in aller Regel verwirklichten Delikten, solchen die in der Fachwelt diskutiert werden und jedenfalls im Einzelfall in Frage kommen können, solchen die lediglich von Einzelstimmen in Betracht gezogen werden und solchen, die ohne fachlichen Hintergrund vereinzelt medial Anklang finden. Der Schwerpunkt der strafrechtlichen Betrachtung sind dabei gesellschaftlich, medial und juristisch die Straßenblockaden der letzten Generation.

Weitestgehend unstrittig besteht die Strafbarkeit nach folgenden Vorschriften:

‱ SachbeschĂ€digung gem. § 303 Abs. 1 StGB; etwa beim BeeintrĂ€chtigen eines GemĂ€ldes bzw. dessen Rahmenscite-ref-9-183-0[183] oder beim Durchtrennen von Zaunanlagencite-ref-11-184-0[184] und SachbeschĂ€digung gem. § 303 Abs. 2 StGB; etwa beim Beschmieren von Fassadencite-ref-9-183-1[183]cite-ref-185[185]
‱ Hausfriedensbruch gem. § 123 StGB; etwa beim Eindringen in umzĂ€untes Flughafen- oder BahngelĂ€ndecite-ref-186[186]cite-ref-11-184-1[184]cite-ref-12-187-0[187].

Allgemein diskutiert werden darĂŒber hinaus folgende Delikte:

‱ Nötigung gem. § 240 StGB; vor allem bei Straßenblockadencite-ref-13-188-0[188]cite-ref-189[189]cite-ref-190[190]cite-ref-191[191]cite-ref-192[192]cite-ref-193[193]cite-ref-194[194]cite-ref-14-195-0[195]
‱ Behinderung von hilfeleistenden Personen gem. § 323c Abs. 2 StGB; etwa beim Blockieren von Rettungswagencite-ref-15-196-0[196]cite-ref-16-197-0[197]cite-ref-14-195-1[195]
‱ Behinderungen von Hilfs- und Rettungsdiensten gem. § 115 Absatz 3 StGB; etwa beim Blockieren von Rettungswagencite-ref-15-196-1[196]cite-ref-198[198]
‱ Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte gem. § 113 StGB; etwa beim Bestreben, sich nicht wegtragen zu lassencite-ref-199[199] (in der Literatur vielfach abgelehnt mangels Gewaltsamkeit des Widerstandleistenscite-ref-200[200]cite-ref-17-201-0[201]; vom Kammergericht wird die Möglichkeit einer Strafbarkeit bejaht beim Festkleben in dem Bestreben, das spĂ€tere Wegtragen nicht nur unwesentlich zu erschwerencite-ref-202[202]).

Diskutiert werden oder wurden die nachfolgenden Delikte, die allerdings nur unter engen Voraussetzungen in Betracht kommen:

‱ gefĂ€hrlicher Eingriff in den Straßenverkehr gem. § 315b Abs. 1 Nr. 2 StGB; etwa wenn Autofahrer durch Blockaden zu abrupten Bremsungen veranlasst werden, durch die es zu (Beinahe-)UnfĂ€llen kommt – nur möglich bei konkreten GefĂ€hrdungen von Leib, Leben oder fremden Sachen von bedeutendem Wertcite-ref-13-188-1[188]cite-ref-16-197-1[197]cite-ref-203[203]cite-ref-14-195-2[195]
‱ gefĂ€hrlicher Eingriff in den Luftverkehr gem. § 315 Abs. 1 StGB – nur möglich bei konkreten GefĂ€hrdungen von Leib, Leben oder fremden Sachen von bedeutendem Wertcite-ref-11-184-2[184]cite-ref-12-187-1[187]cite-ref-204[204]
‱ fahrlĂ€ssige Körperverletzung gem. § 229 StGB; etwa bei Blockieren von Rettungswagen – nur möglich, wenn tatsĂ€chlich GesundheitsschĂ€digung oder -verschlechterung eintrittcite-ref-15-196-2[196]cite-ref-16-197-2[197]cite-ref-14-195-3[195]
‱ fahrlĂ€ssige Tötung gem. § 222 StGB; etwa beim Blockieren von Rettungswagen – nur möglich, wenn tatsĂ€chlich Tod eintrittcite-ref-15-196-3[196]cite-ref-16-197-3[197]cite-ref-205[205]cite-ref-14-195-4[195].

Von einzelnen Stimmen wurde ferner grundsÀtzlich auch die Verwirklichung dieser Delikte in Betracht gezogen:

‱ (einfache vorsĂ€tzliche) Körperverletzung gem. § 223 StGBcite-ref-14-195-5[195]
‱ gefĂ€hrliche Körperverletzung gem. § 224 Abs. 1 Nr. 4 StGBcite-ref-14-195-6[195]
‱ Körperverletzung mit Todesfolge gem. § 227 StGBcite-ref-14-195-7[195]
‱ bei fehlendem Erfolgseintritt (in der Regel GesundheitsschĂ€digung) der Versuch der einfachen Körperverletzung gem. §§ 223, 22, 23 Abs. 1, 223 Abs. 2 StGB bzw. gefĂ€hrlichen Körperverletzung §§ 224 Abs. 1 Nr. 4, 22, 23 Abs. 1, 224 Abs. 2 StGB StGBcite-ref-14-195-8[195]
‱ Totschlag gem. § 212 StGBcite-ref-14-195-9[195]
‱ bei fehlendem Erfolgseintritt (Tod) des Totschlages den Versuch desselben gem. §§ 212, 22, 23 Abs. 1, 12 Abs. 1 StGB.cite-ref-14-195-10[195]

Lediglich in den allgemeinen Medien vereinzelt auftauchendcite-ref-206[206]cite-ref-207[207]cite-ref-208[208], in der Fachwelt allerdings einhellig abgelehnt, sind hingegen:

‱ Freiheitsberaubung gem. § 239 StGB (Fortbewegungsfreiheit blockierter Verkehrsteilnehmer wird nicht vollstĂ€ndig aufgehoben)cite-ref-17-201-1[201]
‱ Nötigung von Verfassungsorganen gem. § 105 StGB bzw. deren Mitgliedern gem. § 106 StGB (zu befĂŒrchtende Nachteile fĂŒr unmittelbar Betroffene sind nicht ausreichend schwerwiegend)cite-ref-209[209]cite-ref-17-201-2[201].

Der gesellschaftliche sowie fachliche Schwerpunkt des Diskurses um die Strafbarkeit der Aktionen ist die Nötigung gem. § 240 StGB. FĂŒr die Strafbarkeit einer Tat als Nötigung muss im deutschen Strafrecht die Rechtswidrigkeit der Tat positiv festgestellt werden und wird nicht, wie bei vielen anderen StraftatbestĂ€nden, automatisch bereits dann angenommen (indiziert), wenn der Tatbestand erfĂŒllt wurde. Rechtswidrig ist eine Nötigung vielmehr nur dann, wenn Mittel oder Zweckcite-ref-210[210] beziehungsweise die Mittel-Zweck-Relationcite-ref-211[211] als verwerflich angesehen werden können.

In der neueren juristischen Fachliteratur wird insofern vertreten, dass Straßenblockaden durch Klimaaktivisten keine verwerfliche Nötigung darstellten,cite-ref-zimmermann-212-0[212] aber auch, dass ziviler Ungehorsam allein auf der Ebene der Strafzumessungcite-ref-213[213]cite-ref-214[214] zu berĂŒcksichtigen sei. Die eine Verwerflichkeit ablehnende Ansicht stellt dabei auf den „Kommunikationszweck als Zwischenziel“ ab.cite-ref-zimmermann-212-1[212] Dagegen stellt der ehemalige Vorsitzende Richter am Bundesgerichtshof Thomas Fischer in einer Kolumne allein auf das Blockieren als Ziel ab und kommt so zu einer Verwerflichkeit und Strafbarkeit wegen Nötigung.cite-ref-215[215]

Auswahl bisheriger strafrechtlicher Gerichtsurteile zu den Aktionen

Stand Mai 2023 wurden nach dortigen Angaben knapp 2000 Verfahren gegen Klimaaktivisten in Berlin bei der Staatsanwaltschaft gefĂŒhrt, davon rund 1790 gegen Aktivisten der Letzten Generation. Bei den Verfahren seien bislang 86 Urteile gesprochen worden, 40 davon seien rechtskrĂ€ftig. In der Regel wĂŒrde zu Geldstrafen verurteilt, meist wegen Nötigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Dabei sei aber auch ein Freispruch und eine Freiheitsstrafe ohne Aussetzung zur BewĂ€hrung. Meist gehe die Staatsanwaltschaft im Strafbefehlsverfahren vor, so sei in 690 FĂ€llen gegen Mitglieder der Letzten Generation vorgegangen worden. 23 Mal seien Anklagen erhoben worden. Knapp 90 Verfahren seien offen. In rund 310 FĂ€llen habe es eine Einstellung gegeben; mit Blick auf weitere VorwĂŒrfe oder weil Beweise nicht ausreichten.cite-ref-216[216]

Im Oktober 2022 lehnte ein Richter am Amtsgericht Tiergarten in Berlin einen Antrag der Staatsanwaltschaft fĂŒr einen Strafbefehl ab und bezog sich dabei ausdrĂŒcklich auf die Klimakrise. Diese sei eine „objektiv [
] dringliche Lage“ und „wissenschaftlich nicht zu bestreiten“. Bei einer Bewertung des Protestes sei das nur „mĂ€ĂŸige politische Fortschreiten“ der Klimamaßnahmen zu berĂŒcksichtigen. Die Handlungen der Beschuldigten, die fĂŒr dreieinhalb Stunden die Kreuzung am Frankfurter Tor blockiert haben sollen, seien daher „nicht verwerflich“. Der Richter nahm Bezug zum Klimabeschluss des Bundesverfassungsgerichts aus 2021.cite-ref-217[217]cite-ref-218[218]cite-ref-219[219] Auf Beschwerde der Staatsanwaltschaft hob eine Große Strafkammer am Landgericht Berlin jedoch diese Entscheidung im November 2022 auf und verwies das Verfahren zur Entscheidung an einen anderen Amtsrichter. Nach Ansicht dieser Großen Strafkammer hĂ€tten die Anliegen und „Fernziele“ der Aktivisten bei der Bewertung außer Betracht zu bleiben, was zum hinreichenden Tatverdacht hinsichtlich der Verwerflichkeit der Blockade fĂŒhre.cite-ref-534-qs-80-22-220-0[220]cite-ref-tagesspiegel2022-12-26-221-0[221] Zudem bestehe hinreichender Tatverdacht hinsichtlich Widerstandes gegen Vollstreckungsbeamte.cite-ref-534-qs-80-22-220-1[220]

Ein Richter am Amtsgericht Freiburg im Breisgau urteilte am 21. November 2022 Ă€hnlich wie sein Kollege aus Berlin, verneinte die Verwerflichkeit der Nötigung fĂŒr drei Straßenblockaden und sprach den Angeklagten frei.cite-ref-agfreiburg-177-1[177]cite-ref-pluralismus-am-ag-freiburg-222-0[222] Mit Urteil vom 20. Februar 2024 hob das Oberlandesgericht Karlsruhe diesen Freispruch nach einer Sprungrevision der Staatsanwaltschaft wieder auf und verwies die Sache zurĂŒck an eine andere Abteilung des Amtsgerichts Freiburg. Die Feststellungen des Amtsgerichts zur Beurteilung der Verwerflichkeit seien lĂŒckenhaft. Jedenfalls hinsichtlich einer lĂ€nger dauernden Straßenblockade ohne Ausweichmöglichkeit und „angesichts des nur teilweisen Bezugs der von der Blockade betroffenen Personen mit den von dem Angeklagten und seinen Mitstreitern verfolgten Zielen“ liege nach der Pressemitteilung des Oberlandesgerichts die Verneinung der Verwerflichkeit aber eher fern.cite-ref-223[223]

Schon am 22. November 2022 bejahte eine andere Richterin in einer anderen Sache am Amtsgericht Freiburg die Verwerflichkeit, verneinte einen rechtfertigenden Notstand insbesondere wegen des „Vorrang[s] staatlicher Abhilfemaßnahmen“ und verurteilte zu einer Geldstrafe von 40 TagessĂ€tzen zu je 10 Euro wegen Nötigung.cite-ref-224[224]cite-ref-pluralismus-am-ag-freiburg-222-1[222] Ähnlich entschied das AG Freiburg am 13. Dezember 2022 und verhĂ€ngte wegen zweier Blockaden eine Gesamtstrafe von 30 TagessĂ€tzen zu je 10 Euro. Die Verwerflichkeit der Nötigungen sei insbesondere wegen des nicht engen Sachzusammenhangs zwischen dem Thema „Essen retten Leben retten“ und der Blockade sowie wegen der „Instrumentalisierung der Autofahrer zum Objekt der eigenen MeinungsĂ€ußerung“ zu bejahen.cite-ref-225[225]

In einem Eilverfahren am Amtsgericht MĂŒnchen im November 2022 zu wiederholten Straßenblockaden teilte der Richter die Ansichten der drei Angeklagten der Letzten Generation zum Klimawandel und zum Unvermögen der Politik, ihn wirksam zu bekĂ€mpfen. Er widersprach aber der Wahl ihrer Mittel, die den demokratischen Rechtsstaat aushebelten, und verurteilte die Angeklagten wegen Nötigung zu einer Geldstrafe von jeweils 25 TagessĂ€tzen.cite-ref-226[226] SpĂ€ter wurde eine entsprechende Entscheidung des Amtsgerichts MĂŒnchen im Volltext veröffentlicht, vermutlich in derselben Sache.cite-ref-227[227] Auch in anderen FĂ€llen wurde von Gerichten kein rechtfertigender Notstand gesehen und die Taten als verwerflich (siehe § 240 Abs. 2 StGB) eingestuft.cite-ref-228[228]

Am 18. Januar 2023 wurde erstmals ein Strafurteil in einer Berufung gesprochen. Die Jugendkammer am Landgericht Berlin bestĂ€tigte die Verurteilung durch das Amtsgericht Tiergarten wegen der Blockade einer Straße zu einer Geldstrafe von 30 TagessĂ€tzen von je 20 Euro. Die Rettung des Klimas sei als Fernziel nicht zu berĂŒcksichtigen.cite-ref-229[229]cite-ref-230[230] Die PrĂŒfung der Zweck-Mittel-Relation im Rahmen der Rechtswidrigkeit der Nötigung ergebe, „dass der Einsatz des Nötigungsmittels der Gewalt (gewaltsame, gezielte Blockade der Verkehrsteilnehmer) zu dem angestrebten Zweck (öffentlich-mediale Aufmerksamkeit erlangen) als verwerflich anzusehen“ sei.cite-ref-231[231]

Am 6. MĂ€rz 2023 wurden erstmals zwei Mitglieder der Letzten Generation fĂŒr die Teilnahme an einer Straßenblockade vom Amtsgericht Heilbronn wegen Nötigung zu Freiheitsstrafen von zwei bzw. drei Monaten ohne Strafaussetzung zur BewĂ€hrung verurteilt.cite-ref-232[232] Zur BegrĂŒndung fĂŒr die Freiheitsstrafen wurde genannt, dass die beiden Verurteilten nach eigener Aussage schon wegen Ă€hnlicher Taten vor Gericht gestanden hĂ€tten und auch in Zukunft sich weiter so verhalten wollten.cite-ref-26-ds-16-js-4813-23-233-0[233]cite-ref-234[234] Die Verurteilung sei zur „Einwirkung auf die TĂ€terpersönlichkeit“ nötig. Sogenannte kurze Freiheitsstrafen unter sechs Monaten dĂŒrfen im Strafrecht nach § 47 Abs. 1 StGB nur in AusnahmefĂ€llen verhĂ€ngt werden.cite-ref-235[235] Drei Mitangeklagte, die zuvor nicht strafrechtlich in Erscheinung getreten waren, wurden zu Geldstrafen von je 60 TagessĂ€tzen verurteilt.cite-ref-26-ds-16-js-4813-23-233-1[233] Am 17. April 2023 verhĂ€ngte das Amtsgericht Heilbronn erneut Freiheitsstrafen von drei, vier und fĂŒnf Monaten ohne BewĂ€hrung gegen zwei MĂ€nner und eine Frau. Hintergrund war, dass die drei Aktivisten sich nur wenige Stunden, nachdem sie das letzte Mal verurteilt worden waren, erneut auf der Straße festklebten und im Gerichtssaal ankĂŒndigten, dies bei nĂ€chster Gelegenheit wieder zu tun. Eine vierte Person wurde zu drei Monaten Freiheitsstrafe auf BewĂ€hrung verurteilt. Die Urteile sind (Stand April 2023) noch nicht rechtskrĂ€ftig.cite-ref-236[236]cite-ref-237[237]cite-ref-238[238]

Am 26. April 2023 verurteilte mit dem Amtsgericht Tiergarten erstmals in Berlin ein Gericht eine Aktivistin der Letzten Generation zu einer Freiheitsstrafe. Vier Monate Freiheitsstrafe ohne Aussetzung zur BewĂ€hrung verhĂ€ngte das Gericht gegen eine Demonstrantin fĂŒr gemeinschĂ€dliche SachbeschĂ€digung an einem GemĂ€lderahmen sowie fĂŒr Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte und versuchte Nötigung im Rahmen einer Straßenblockade. Der Verteidiger legte Rechtsmittel ein. Bis zum 20. April 2023 ergingen vom Amtsgericht Tiergarten 63 Entscheidungen (Urteile und Strafbefehle) gegen Mitglieder der Letzten Generation.cite-ref-239[239]

Seit Anfang April 2023 wird in Österreich vom Bundesamt fĂŒr Fremdenwesen und Asyl ein Landesverweis gegen eine deutsche Studentin geprĂŒft. Ihr wird u. a. vorgeworfen, durch das VerschĂŒtten von Öl auf einer Straße eine GefĂ€hrdungslage hervorgerufen zu haben.cite-ref-240[240]cite-ref-241[241]

Mit Beschluss vom 21. April 2023cite-ref-242[242] verwarf das Bayerische Oberste Landesgericht (BayObLG) die Revision eines Heranwachsenden gegen ein Urteil des Amtsgerichts MĂŒnchen. Der Angeklagte war fĂŒr das Ankleben auf der und Blockieren der Frauenstraße in MĂŒnchen jugendstrafrechtlich wegen Nötigung verwarnt worden. Weder ĂŒber das Widerstandsrecht noch aufgrund Notstandes oder aufgrund zivilen Ungehorsams ist die Tat nach dem BayObLG gerechtfertigt. Das Urteil des Amtsgerichts ist damit rechtskrĂ€ftig.cite-ref-243[243]cite-ref-244[244]

Am 10. Mai 2023 lehnte das Verwaltungsgericht Berlin einen Antrag eines Aktivisten der Letzten Generation ab, die Rechtswidrigkeit der Anwendung von Schmerzgriffen beim Entfernen aus einer Straßenblockade festzustellen. Eine Feststellung sei nicht im Verfahren des vorlĂ€ufigen Rechtsschutzes möglich. Zudem habe der Antragssteller eine Wiederholungsgefahr nicht nachgewiesen, so dass auch eine stattgebende Entscheidung bei Umdeutung auf einen Antrag zu vorlĂ€ufiger Verpflichtung gegen zukĂŒnftige Schmerzgriffe nicht möglich sei.cite-ref-245[245] Gegen den Beschluss kann Beschwerde beim Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg eingelegt werden.cite-ref-246[246]

Am 11. Mai 2023 verurteilte das Amtsgericht Frankfurt am Main die Sprecherin der Letzten Generation, Carla Hinrichs, wegen einer Straßenblockade zu einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten und setzte diese Strafe zur BewĂ€hrung aus. Hinrichs erklĂ€rte, sie werde wahrscheinlich in Berufung gehen.cite-ref-247[247] Sie hatte gegen einen Strafbefehl wegen Nötigung mit einer Geldstrafe von 60 TagessĂ€tzen Ă  30 Euro Einspruch eingelegt. Zuvor war sie im MĂ€rz wegen einer Straßenblockade in Berlin zu einer Geldstrafe von 20 TagessĂ€tzen Ă  30 Euro verurteilt worden. Dieses Urteil ist (Stand 11. Mai 2023) noch nicht rechtskrĂ€ftig.cite-ref-248[248]

Das Amtsgericht MĂŒnchen verurteilte am 16. Mai 2023 drei Aktivisten wegen Nötigung jeweils zu Geldstrafen von 10 TagessĂ€tzen. FĂŒr den Jesuitenpater Jörg Alt wurde dabei nach eigenen Angaben ein Tagessatz in Höhe von einem Euro festgesetzt. Die Verurteilten hatten Ende Oktober 2022 eine Straße vor dem bayerischen Justizministerium blockiert.cite-ref-249[249]

Am 19. Mai 2023 verurteilte das Amtsgericht Regensburg sieben Aktivisten wegen gemeinschaftlicher Nötigung zu je 40 TagessĂ€tzen Ă  15 bzw. 40 Euro. Sie hatten im morgendlichen Berufsverkehr durch eine Straßenblockade einen langen Stau verursacht und sich wĂ€hrend des Prozesses bei den als Zeugen geladenen geschĂ€digten Autofahrern entschuldigt.cite-ref-250[250]

Mit Urteil vom 22. Mai 2023 wurden drei Aktivisten der Letzten Generation vom Amtsgericht MĂŒnchen wegen gemeinschĂ€dlicher SachbeschĂ€digung zu Geldstrafen verurteilt. Zwei Verurteilte hatten sich an den Rahmen eines Rubens-GemĂ€lde in der Alten Pinakothek geklebt, einer hatte die Aktion gefilmt. Die Richterin bejahte eine Notstandslage, verneinte aber einen Zusammenhang zwischen der BeschĂ€digung und dem Klimaschutz.cite-ref-251[251]

Am 4. Juli 2023 sprach das Amtsgericht Leipzig fĂŒnf Mitglieder der Letzten Generation wegen einer Straßenblockade vom Vorwurf der strafbaren Nötigung frei. Zwar sei der Tatbestand der Nötigung erfĂŒllt, die Handlungen seien jedoch nicht verwerflich gewesen. Die BeeintrĂ€chtigungen seien nur kurzzeitig gewesen und die Polizei sowie die Presse zuvor informiert worden. Außerdem sei eine Rettungsgasse freigehalten worden. Zudem habe es einen klaren Sachbezug gegeben, da sich der Protest gegen die Folgen der Klimakrise und speziell gegen den Autoverkehr gerichtet habe.cite-ref-252[252]

Am 4. Juli 2023 verurteilte das Landgericht Kempten in einem Berufungsprozess vier Angeklagte wegen Nötigung im Rahmen einer Straßenblockade zu zwei Monaten Freiheitsstrafe. Das Gericht setzte die Strafen nicht zur BewĂ€hrung aus, weil die Angeklagten wĂ€hrend des Prozesses ankĂŒndigten, ihr strafrechtlich relevantes Verhalten in Zukunft fortzusetzen. Ein weiterer Angeklagter zeigte sich reuig und wurde zu 50 TagessĂ€tzen verurteilt. Der sechste Angeklagte wurde unter Anwendung des Jugendstrafrechts zu 200 Stunden gemeinnĂŒtziger Arbeit und zwei Freizeitarresten verurteilt. In erster Instanz waren die Angeklagten vom Amtsgericht Kempten zu 50 TagessĂ€tzen verurteilt worden.cite-ref-253[253]

Am 17. Juli 2023 verurteilte das Amtsgericht Tiergarten einen Aktivisten der Letzten Generation zu vier Monaten Freiheitsstrafe wegen Nötigung, versuchter Nötigung, Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte und Missbrauchs von Notrufen. Von einer Aussetzung zur BewĂ€hrung sah das Gericht ab, weil der Informatiker wegen Ă€hnlicher VorwĂŒrfe rechtskrĂ€ftig verurteilt sei und im Prozess keinen Sinneswandel habe erkennen lassen.cite-ref-254[254]

Mit Beschluss vom 16. August 2023 hob das Kammergericht ein Urteil des Amtsgerichts Tiergarten gegen eine Aktivistin der Letzten Generation auf. Die Angeklagte hatte sich an einer Straßenblockade beteiligt und an der Straße festgeklebt. Zwar bejahte der 3. Strafsenat des Kammergerichts grundsĂ€tzlich die Möglichkeit einer Strafbarkeit wegen Nötigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte. Die BeweiswĂŒrdigung des Amtsgerichts sei jedoch lĂŒckenhaft. BezĂŒglich der Strafbarkeit wegen Nötigung fehle eine EinzelfallprĂŒfung bei der Verwerflichkeit. BezĂŒglich der Strafbarkeit wegen Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte fehle die Feststellung, dass das Festkleben gerade erfolgt sei, um die RĂ€umung durch die Polizei zu erschweren.cite-ref-255[255]

Am 29. August 2023 verurteilte das Amtsgericht Essen einen Aktivisten der Letzten Generation wegen SachbeschĂ€digung zu einer Geldstrafe von 150 TagessĂ€tzen (9 000 Euro). Der Angeklagte hatte mit anderen im Dezember 2022 und im Februar 2023 die Zentrale des Energiekonzerns RWE mit oranger Farbe besprĂŒht. RWE gab die Kosten der Reinigungsarbeiten mit rund 17 000 Euro an.cite-ref-256[256]cite-ref-257[257]

Am 31. August 2023 verurteilte das Amtsgericht Stuttgart-Bad Cannstatt eine Aktivistin zu einer Geldstrafe vom 60 TagessĂ€tzen Ă  15 Euro und einen Aktivisten zu einer Freiheitsstrafe von zwei Monaten. Die beiden hatten gemeinsam mit fĂŒnf weiteren Aktivisten Anfang September 2022 den Leuzeknoten in Stuttgart blockiert. Von einer Aussetzung der Freiheitsstrafe zur BewĂ€hrung sah das Gericht ab, weil der Aktivist sein Handeln nicht nur verteidigte, sondern weitere Aktionen ankĂŒndigte. Ein erstes Urteil war zuvor in Abwesenheit der beiden Angeklagten ergangen, wĂ€hrend diese sich im Urlaub in Thailand befunden hatten. Dieses Urteil war jedoch wegen Formfehlern aufgehoben worden.cite-ref-258[258]cite-ref-259[259]

Am 20. September 2023 verurteilte das Amtsgericht Tiergarten eine Aktivistin wegen versuchter Nötigung, Nötigung und Widerstand gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten, weil diese im Oktober 2022 an drei Sitzblockaden teilgenommen und sich dabei auf der Straße festgeklebt bzw. dies versucht hatte. Das Gericht setzte die Strafe nicht zur BewĂ€hrung aus, da es aufgrund der AnkĂŒndigung der Aktivistin, sich erneut an Blockaden zu beteiligen, keine positive Sozialprognose sah. Das Urteil ist (Stand 24. September 2023) noch nicht rechtskrĂ€ftig.cite-ref-260[260]cite-ref-261[261]

Im Dezember 2023 wurde ein 27 Jahre alter Klimaaktivist durch das Amtsgericht Heidelberg wegen eines Farbanschlags auf die örtliche UniversitÀt zu einer sechsmonatigen Freiheitsstrafe ohne BewÀhrung, deren Vollstreckung nicht zur BewÀhrung ausgesetzt wurde, wegen gemeinschÀdlicher SachbeschÀdigung verurteilt.cite-ref-262[262]

Im Januar 2024 verwarf das Kammergericht die Revision eines 62-jĂ€hrigen Klimaaktivisten gegen ein Berufungsurteil des Landgerichts Berlin. Die Verurteilung zu einer Geldstrafe von 20 TagessĂ€tzen zu je 30 Euro wegen Nötigung durch Teilnahme an einer Straßenblockade ist damit rechtskrĂ€ftig.cite-ref-263[263]

Am 17. Juli 2024 verurteilte das Amtsgericht Tiergarten (Berlin) ein fĂŒhrendes Mitglied der Vereinigung wegen SachbeschĂ€digung, Nötigung und Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten. Die Strafe wurde nicht zur BewĂ€hrung ausgesetzt, da die Angeklagte sich uneinsichtig zeigte. Sie hatte sich mehrmals an Straßenblockaden beteiligt sowie orange Farbe gegen das GebĂ€ude des Bundesministeriums fĂŒr Verkehr und gegen eine Gucci-Boutique am KurfĂŒrstendamm gesprĂŒht. Das Urteil ist nicht rechtskrĂ€ftig. Gegen die Klimaaktivistin wurde zudem im Monat zuvor durch die Staatsanwaltschaft Flensburg Anklage wegen Beteiligung an einer kriminellen Vereinigung, SachbeschĂ€digung, gemeinschĂ€dlicher SachbeschĂ€digung, Hausfriedensbruch und Störung öffentlicher Betriebe erhoben. Die Angeklagte soll an der Manipulation einer Ölpipeline beteiligt gewesen und gewaltsam in die Sicherheitsbereiche der FlughĂ€fen Berlin Brandenburg, MĂŒnchen und Sylt eingedrungen sein. In Letzterem wurde ein Flugzeug mit Farbe besprĂŒht.cite-ref-264[264]cite-ref-265[265]

Im Dezember 2024 verurteilte das Amtsgericht NiebĂŒll (Kreis Nordfriesland) zwei Mitglieder wegen SachbeschĂ€digung und Hausfriedensbruch zu Haftstrafen ohne BewĂ€hrung von jeweils sechs und sieben Monaten. Zwei weitere Mitglieder wurden zu Geldstrafen von 2.100 Euro und 1.600 Euro verurteilt. Die Verurteilten hatten im Juni 2023 ein zufĂ€llig ausgewĂ€hltes GeschĂ€ftsreiseflugzeug des Typs Cessna CitationJetcite-ref-266[266] auf dem Flughafen Sylt mit Farbe besprĂŒht und damit einen Schaden von mehr als 850.000 Euro verursacht.cite-ref-267[267] Der Schaden sei billigend in Kauf genommen worden. Das Amtsgericht folgte hinsichtlich des Strafmaßes dem Antrag der Staatsanwaltschaft Flensburg. Die Verteidigung hatte erfolglos auf Freispruch wegen legitimer BeweggrĂŒnde plĂ€diert.cite-ref-268[268]

Verdacht auf Bildung einer kriminellen Vereinigung

Am 13. Dezember 2022 wurden bundesweit elf Objekte im Rahmen eines Ermittlungsverfahrens der Staatsanwaltschaft Neuruppin durchsucht. Ermittelt wurde gegen „etwas mehr als elf Personen“ wegen Störung öffentlicher Betriebe, zusĂ€tzlich wurde der Verdacht auf Bildung einer kriminellen Vereinigung geprĂŒft. Hintergrund der Ermittlungen waren mehrere Attacken auf Anlagen der Raffinerie PCK Schwedt seit April 2022, bei denen unter anderem die Ölzufuhr unterbrochen wurde. FĂŒnf Mitglieder der Letzten Generation wurden in sogenannten prĂ€ventiven Gewahrsam genommen, um weitere Taten zu verhindern.cite-ref-269[269]cite-ref-270[270]cite-ref-spiegel-2022-12-13-271-0[271]

Sprecher der Gruppe bewerteten die Ermittlungen zur Bildung einer kriminellen Vereinigung als neues Niveau staatlicher EinschĂŒchterungsversuche, die sie seit einem Jahr erleben wĂŒrden.cite-ref-lto-bundesweite-razzia-272-0[272] Republikanischer Anwaltsverein, Humanistische Union und Komitee fĂŒr Grundrechte und Demokratie mit drei weiteren Organisationen kritisierten mangelnde VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit im Vorgehen der Staatsanwaltschaft.cite-ref-273[273]

Die gegen Durchsuchungen und Sicherstellen von Beweismitteln erhobene Beschwerde eines Betroffenen wiesen das Amtsgericht Neuruppin und Ende April 2023 das Landgericht Potsdam (Staatsschutzkammer) als unbegrĂŒndet ab. Dabei bestĂ€tigten sie den Anfangsverdachts, dass es sich bei der Letzten Generation um eine kriminelle Vereinigung handelt.cite-ref-274[274] Die Staatsanwaltschaft Neuruppin (die im Ermittlungsverfahren die Pressehoheit besitzt) bestĂ€tigte den Beschluss des Landgerichts und teilte mit, dass die Klimaaktivisten nun mit einer Verfolgung gemĂ€ĂŸ § 129 StGB („Bildung krimineller Vereinigungen“) rechnen mĂŒssten.cite-ref-tagesspiegel2023-05-16-275-0[275]

Am 21. Mai 2024 teilte die Staatsanwaltschaft Neuruppin mit, dass sie Anklage erhoben habe zur Staatsschutzstrafkammer des Landgerichts Potsdam, gegen fĂŒnf Mitglieder der Letzten Generation wegen des Vorwurfes der Bildung einer kriminellen Vereinigung sowie der Störung öffentlicher Betriebe, Nötigung, SachbeschĂ€digung und anderer StraftatbestĂ€nde. Der Tatvorwurf betrifft die Beschuldigten als Mitglieder einer Teilgruppe, nicht als Mitglieder der Gesamtgruppe Letzte Generation.cite-ref-276[276]

Im Juni bzw. November 2022 hatte die Berliner Staatsanwaltschaft bzw. Generalstaatsanwaltschaft einen Anfangsverdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung bezĂŒglich Letzte Generation nach entsprechenden Strafanzeigen verneint und die entsprechenden Ermittlungsverfahrens eingestellt.cite-ref-277[277] Auch im Mai 2023 sah die Berliner Staatsanwaltschaft keinen Anfangsverdacht auf Bilden einer kriminellen Vereinigung.cite-ref-rbb242023-05-17-278-0[278] In rechtswissenschaftlichen Publikationen wurden die Urteile bereits behandelt und diese wiederum von den Gerichten in nachfolgenden Urteilen entweder zur BegrĂŒndung oder mit „a.A.“ (anderer Auffassung) gezeigt, dass diese vom Gericht gewĂŒrdigt wurden. Die unterschiedlichen Sichten beziehen sich z. B. auf die Kriterien, die Straftaten erheblich werden lassen oder Kriterien fĂŒr die GefĂ€hrdung der öffentlichen Ordnung. Je nach Ansicht kann bereits der nötige Vereinigungszweck im Sinne des § 129 StGB fehlen oder der Strafausschlussgrund des § 129 Abs. 3 Nr. 2 StGB trifft zu.cite-ref-279[279] Ebenfalls im Mai 2023 gab die neue Berliner Justizsenatorin Felor Badenberg bekannt, dass sie die Fragestellung, ob bei die Letzte Generation der Anfangsverdacht anzunehmen sei, durch die Berliner Senatsjustizverwaltung prĂŒfen lassen werde.cite-ref-280[280] Diese kam im Juli zu dem Ergebnis, dass der Anfangsverdacht aus Berliner Perspektive derzeit nicht bestehe. Es „lĂ€sst sich die Entscheidung aus Brandenburg nur bedingt auf die Situation in Berlin anwenden“ hieß es dazu.cite-ref-281[281]

Nachdem laut Generalstaatsanwaltschaft MĂŒnchen „zahlreiche Strafanzeigen“ eingegangen waren, wurden am 24. Mai 2023 in sieben BundeslĂ€ndern Razzien in insgesamt 15 GebĂ€uden durchgefĂŒhrt.cite-ref-282[282] Gleichzeitig wurden Konten beschlagnahmt, Vermögenswerte sichergestellt und die Internetseite der Bewegung abgestellt. Die Ermittlungen werden von der Zentralstelle zur BekĂ€mpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) bei der Generalstaatsanwaltschaft MĂŒnchen geleitet.cite-ref-283[283] Die Letzte Generation gab eine ErklĂ€rung ab, in der sie unter anderem darlegte, warum der Vorwurf der Bildung einer kriminellen Vereinigung ihrer Meinung nach haltlos ist.cite-ref-284[284]cite-ref-285[285]cite-ref-286[286] Die Ermittlungen richteten sich auch gegen eine Person ohne direkten Kontakt zur Letzten Generation,cite-ref-rnd-2023-05-25-287-0[287] die eine Überweisung des FFF-Finanzierungsvereins Alle fĂŒrs Klima e. V. ĂŒber einen Zahlungsdienstleister und Anbieter von Gruppenkontencite-ref-288[288] erhalten hatte, den auch die Letzte Generation nutzte, bis das Konto im MĂ€rz 2023 gekĂŒndigt wurde.cite-ref-rnd-2023-05-25-287-1[287]

Kurzzeitig war die Letzte Generation von der Generalstaatsanwaltschaft MĂŒnchen auf der beschlagnahmten Internetseite entgegen der Unschuldsvermutung mittels eines Warnhinweises bereits als kriminelle Vereinigung bezeichnet worden. Die Generalstaatsanwaltschaft MĂŒnchen rĂ€umte dies als Fehler ein.cite-ref-rnd-2023-05-24-289-0[289] Dieses Vorgehen und die Abschaltung der Internetseite wurden von der Neuen Richtervereinigung, der LTO und mehreren Personen des öffentlichen Lebens kritisiert.cite-ref-290[290]cite-ref-291[291]cite-ref-rnd-2023-05-24-289-1[289]cite-ref-292[292] In Bayern stellte ein BĂŒndnis der Parteien Die Linke, Mut und Die Urbane sowie der Organisation noPAG Strafanzeige gegen den MinisterprĂ€sidenten Markus Söder, Justizminister Georg Eisenreich, Innenminister Joachim Herrmann und den MĂŒnchner Generalstaatsanwalt Reinhard Röttle. Das BĂŒndnis wirft ihnen aufgrund der kurzzeitigen Vorverurteilung im Warnhinweis der Internetseite Verleumdung und Beleidigung vor.cite-ref-293[293]

Hintergrund der Maßnahmen ist ein Anfangsverdacht gegen sieben Beschuldigte auf Bildung beziehungsweise UnterstĂŒtzung einer kriminellen Vereinigung. In diesem Zusammenhang soll auch die Finanzierung der Letzten Generation untersucht werden.cite-ref-294[294] Den Beschuldigten wird vorgeworfen, eine Spendenkampagne zur Finanzierung „weiterer Straftaten“ fĂŒr die Letzte Generation organisiert zu haben, die ĂŒber deren Homepage beworben wurde. Dadurch sollen mindestens 1,4 Millionen Euro an Spendengeldern eingesammelt worden sein. Zwei der sieben Beschuldigten sollen zudem im Jahr 2022 an einem Sabotageversuch gegen die Pipeline Triest–Ingolstadt beteiligt gewesen sein.cite-ref-295[295]

Im Juni 2023 berichtete die SĂŒddeutsche Zeitung, dass die Generalstaatsanwaltschaft MĂŒnchen ab Oktober 2022 ĂŒber Monate hinweg dreizehn Telefone der Letzten Generation durch das Bayerische Landeskriminalamt abhören ließ. Abgehört und anderweitig ĂŒberwacht wurde nach BeschlĂŒssen des Amtsgerichts MĂŒnchen der offizielle Festnetzanschluss (das sogenannte Pressetelefon) der Gruppe wie auch Mobiltelefone von fĂŒhrenden Personen.cite-ref-296[296]cite-ref-297[297]cite-ref-298[298] Nach einer sofortigen Beschwerde wurde auch vom Landgericht MĂŒnchen I die Überwachung des Pressetelefons als rechtens eingestuft.cite-ref-299[299]cite-ref-300[300]cite-ref-301[301] Im September 2024 erhoben drei Journalisten zusammen mit dem Bayerischen Journalisten-Verband (BJV), der Gesellschaft fĂŒr Freiheitsrechte (GFF) und Reporter ohne Grenzen (RSF) diesbezĂŒglich Verfassungsbeschwerde vor dem Bundesverfassungsgericht.cite-ref-302[302]cite-ref-303[303]

Mit BeschlĂŒssen vom 16. November 2023 hat das Landgericht MĂŒnchen I zehn Beschwerden gegen Durchsuchungs- und Beschlagnahmeanordnungen im Zusammenhang mit Ermittlungen gegen Mitglieder der Letzten Generation als unbegrĂŒndet verworfen. Es bestehe der Anfangsverdacht, dass die Letzte Generation eine kriminelle Vereinigung bilde. Es liege auch durch die bisherigen Taten eine erhebliche Gefahr fĂŒr die öffentliche Sicherheit vor, wobei das Gericht unter anderem auf die Störung und Blockaden des Betriebs verschiedener FlughĂ€fen und die Aktionen an Ölpipelines abstellte.cite-ref-304[304]

Im MĂ€rz 2025 hat die Generalstaatsanwaltschaft MĂŒnchen die Aktivisten Carla Hinrichs, Christian BlĂ€ul, Ingo Blechschmidt, Imke Bludszuweit und Wolfgang Metzeler-Kickcite-ref-305[305] wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung vor dem Landgericht MĂŒnchen I angeklagt.cite-ref-306[306]

Polizeigewahrsam

Nach zwei aufeinander folgenden Verkehrsblockaden am Stachus in MĂŒnchen vom 3. November 2022 wurde von mehreren Richtern am Amtsgericht MĂŒnchen fĂŒr zwölf Aktivisten der Letzten Generation Unterbindungsgewahrsam von dreißig Tagen angeordnet, zwei kamen noch am selben Tage wieder frei, einer musste bis zum 9. November in Gewahrsam bleiben.cite-ref-307[307] Nach einer Blockade am Mittleren Ring in MĂŒnchen ordnete ein Richter im Dezember 2022 fĂŒr vier Aktivisten der Letzten Generation vier bzw. dreißig Tage Unterbindungsgewahrsam an, zum Teil ĂŒber Weihnachten. BegrĂŒndet wurde dies mit der Gefahr „beharrlicher Wiederholung“. Der bayerische Innenminister Joachim Herrmann verteidigte den lĂ€ngerfristigen Gewahrsam, weil es sich um „unbelehrbare WiederholungstĂ€ter“ handele.cite-ref-308[308] In einer Entscheidung vom 7. Dezember 2022 des Amtsgerichts MĂŒnchen wurde dagegen die Fortdauer des Unterbindungsgewahrsams abgelehnt. Der Gewahrsam sei nicht geeignet, verstoße gegen das Übermaßverbot und es sei zweifelhaft, ob das Festkleben auf der Fahrbahn als Nötigung zu bewerten sei.cite-ref-309[309] In einer anderen veröffentlichten Entscheidungcite-ref-310[310] des Amtsgerichts MĂŒnchen vom vorhergehenden Tage wurde nach einer Straßenblockade die Fortdauer des Gewahrsams bis zum 11. Dezember angeordnet, in einer weiterencite-ref-311[311] vom 5. Dezember fĂŒr einen Monat (insbesondere weil kĂŒrzlich ein Gewahrsam von drei Wochen vorangegangen war). Aufsehen und Kritik erregte die prĂ€ventive Festnahme von Simon Lachner im Juni 2023, bei der dieser mittags von Polizisten aus seinem Haus mitgenommen wurde, da er fĂŒr den Nachmittag eine Klebeaktion in der Regensburger Innenstadt angekĂŒndigt hatte. Diese fand dann ohne ihn statt, der Gewahrsam endete am Abend.cite-ref-312[312] Im Oktober 2023 stellte das Landgericht NĂŒrnberg-FĂŒrth auf Beschwerde des PolizeiprĂ€sidiums Mittelfranken im Nachhinein die RechtmĂ€ĂŸigkeit eines geplanten Unterbindungsgewahrsams gegen einen Angehörigen der Letzten Generation fest. Das Landgericht begrĂŒndete seine Entscheidung unter anderem damit, dass es in der RisikosphĂ€re des Betroffenen liege, wenn dieser fortwĂ€hrend mit der Begehung von konkreten Straftaten drohe.cite-ref-313[313]

Sonstige juristische Auseinandersetzung

In Berlin wurden von Januar bis Mai 2023 nach Angabe der dortigen Polizei 66 Ermittlungsverfahren von Amts wegen aufgrund mutmaßlicher Straftaten eingeleitet, die sich gegen die Aktivisten der Letzten Generation richteten; im Jahr 2022 waren es 18 Ermittlungsverfahren. Die Letzte Generation selbst stellte keine Anzeigen.cite-ref-314[314] Nach Recherchen des Rundfunk Berlin-Brandenburg gab es Stand Juli 2023 bundesweit 142 Ermittlungsverfahren wegen Übergriffen auf Aktivisten der Letzten Generation, in den meisten FĂ€llen wegen Körperverletzung. 99 FĂ€lle entfielen davon auf Berlin. Die Berliner Staatsanwaltschaft habe davon in keinem Fall eine Rechtfertigung durch Notwehr angenommen.cite-ref-315[315]cite-ref-316[316] Nach einer Erhebung des Deutschen Richterbundes gab es 2023 von Jahresbeginn bis zum September des Jahres alleine in Berlin mehr als 2.500 Verfahren gegen Personen der Letzten Generation; bei der Gruppe Extinction Rebellion waren es mehr als 400.cite-ref-317[317]

Am 14. April 2023 hob das Verwaltungsgericht Berlin in einer Eilentscheidung das von der Berliner Polizei gegenĂŒber einer Person ausgesprochene Verbot auf, sich auf bestimmten Straßen in Berlin festzukleben. Bei Verstoß gegen das Verbot drohte die Polizei ein Zwangsgeld von 2000 Euro an. Das Verbot war nach dem Verwaltungsgericht zu unbestimmt, insbesondere weil die Anlage mit den Straßen, auf die sich das Verbot beziehe, nicht ausreichend lesbar sei. Zur sonstigen RechtmĂ€ĂŸigkeit des Verbotes machte das Gericht keine AusfĂŒhrungen.cite-ref-318[318]cite-ref-319[319] Die Beschwerde der Polizei zum Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg wurde am 28. April abgewiesen.cite-ref-320[320]

Die Polizei in MĂŒnchen kĂŒndigte im Dezember 2022 an, kĂŒnftig die Polizeikosten zu verlangen, wenn klebende Aktivisten von der Straße gelöst werden und sie weggetragen oder weggefĂŒhrt werden mĂŒssen.cite-ref-321[321] Das Verwaltungsgericht Berlin entschied im September 2023 in einem Eilverfahren, dass die Berliner Polizei vorerst keine GebĂŒhren von festgeklebten Aktivisten dafĂŒr verlangen dĂŒrfe, sie von der Straße zu lösen und wegzutragen.cite-ref-322[322] Es bestehe keine Rechtsgrundlage fĂŒr die GebĂŒhren: Weder liege eine Ersatzvornahme noch eine unmittelbare AusfĂŒhrung vor, zudem habe die Maßnahme „nicht der Gefahrenabwehr fĂŒr Personen, Sachen oder Tiere gedient“.cite-ref-323[323] Das Oberverwaltungsgericht gab Mitte September 2024 einer entsprechende Klage von Betroffenen recht. Da gegen 662 der 1300 behandelten FĂ€lle Einspruch eingelegt worden sei, mĂŒsse die Berliner Landespolizei demnach knapp 160.000 Euro an die Aktivisten zurĂŒckzahlen.cite-ref-324[324]

Ob Aktivisten fĂŒr SchĂ€den wegen BeeintrĂ€chtigung des Flugbetriebs aufkommen mĂŒssen, ist noch nicht höchstrechtlich geklĂ€rt und streitig.cite-ref-325[325]cite-ref-326[326] In London wurden zwei Aktivisten der vergleichbaren dortigen Gruppe Just Stop Oil im Februar 2023 verurteilt, umgerechnet knapp 4.000 Euro EntschĂ€digung fĂŒr Neubemalung und Reinigung an Madame Tussauds Wachsfigurenkabinett zu zahlen, weil sie dort einem Abbild von König Charles III. veganen Schokoladenkuchen ins Gesicht gedrĂŒckt hatten.cite-ref-327[327] Im November 2025 verurteilte das LG Hamburg in erster Instanz zehn Aktivisten der letzten Generation gesamtschuldnerisch zu einer Zahlung von 403.137,68 Euro Schadensersatz und zum Ersatz weiteren Schadens fĂŒr eine Aktion am 13. Juli 2023, als sie sich aus Protest gegen die Klimapolitik der Bundesregierung auf der Rollbahn des Hamburger Flughafens festklebten. Der Schadensersatz betrifft EntschĂ€digungen, die Eurowings und andere Fluggesellschaften an Passagiere fĂŒr ausgefallene FlĂŒge bezahlen mussten, entgangenen Gewinn und verbrauchten Treibstoff. FĂŒr den Fall, dass die Beklagten eine solche Aktion wiederholen, droht ihnen das Urteil ein Ordnungsgeld von bis zu 250.000 Euro oder Ordnungshaft von bis zu zwei Jahren an. Im Urteil wurde auch festgestellt, dass die AnsprĂŒche aus einer „vorsĂ€tzlich begangenen unerlaubten Handlung“ resultieren, was bedeutet, dass die Forderungen auch im Fall einer Privatinsolvenz der Beklagten nicht erlöschen.cite-ref-328[328]cite-ref-329[329]

Justiz in Österreich

Laut Meldung des ORF vom 30. Oktober 2025 hat die Staatsanwaltschaft Wien im Verfahren gegen die frĂŒhere Klimaschutzbewegung „Letzte Generation“ Anklage gegen 42 Personen erhoben. Vorgeworfen wird SachbeschĂ€digung bzw. schwere SachbeschĂ€digung. Der Verdacht der Bildung einer kriminellen Vereinigung hat sich nicht erhĂ€rtet.cite-ref-330[330]

Vernetzung und Finanzierung

Die Letzte Generation ist Teil des A22-Netzwerks, dessen Hauptfinanzierer der kalifornische Climate Emergency Fund (CEF) istcite-ref-rnd-52-2[52]cite-ref-system-47-2[47], den die US-amerikanischen Philanthropen Aileen Getty, Rory Kennedy und Trevor Neilson 2019 grĂŒndeten.cite-ref-331[331] Nach eigenen Angaben besteht eine Vernetzung mit Klimaschutzgruppen in neun LĂ€ndern. Dies sind unter anderem in Kanada Save Old Growth, Fireproof Australia aus Australien, die französische Gruppe Derniere Renovation, Ultima Generazione (Italien), die US-Gruppe Declare Emergency, die Briten von Insulate Britaincite-ref-332[332] und Ostatnie Pokolenie (Polen).cite-ref-333[333] 2022 ging man ein BĂŒndnis mit den Klimaschutzgruppen End Fossil Occupy, Debt for Climate, Eltern gegen die Fossilindustrie und Scientist Rebellion als einem Ableger von Extinction Rebellion ein.cite-ref-ntv-24-2[24] In der Schweiz ist Renovate Switzerland aktiv,cite-ref-334[334] wie etwa am 7. April 2023 mit der Sperrung des Nordportals des Gotthard-Strassentunnels.cite-ref-335[335]

Den grĂ¶ĂŸten Teil ihrer finanziellen UnterstĂŒtzung erhĂ€lt die Aktionsgruppe eigenen Angaben nach durch Spenden. Im Jahr 2022 wurden so ĂŒber 900.000 Euro eingenommen. Der CEF beteiligte sich darĂŒber hinaus mit rund 50.000 Euro an der Initiative „GemeinnĂŒtzige Bildungsarbeit zur UnterstĂŒtzung von Letzte Generation“, welche unter anderem VortrĂ€ge durchfĂŒhrt, nicht aber direkt an den Protesten beteiligt ist.cite-ref-336[336] Der Filmproduzent und Spender von 4 Millionen Dollar Adam McKay ist seit 2022 im Vorstand.cite-ref-337[337] Die Stiftung unterstĂŒtzt auch andere Umweltschutzgruppen wie Extinction Rebellion. Die Ausgaben der „Letzten Generation“ beliefen sich auf 535.519 Euro, davon rund 250.000 Euro fĂŒr Mietkosten fĂŒr Wohnungen, in denen Aktivisten wohnen. Auch Autos wurden laut dem Transparenzbericht der Organisation angemietet. Fast 100.000 Euro zahlten die Aktivisten fĂŒr Materialien, fĂŒr Anwalts- und Gerichtskosten sowie „Prozesstrainings“ schlugen rund 18.000 Euro zu Buche.

Nicht berĂŒcksichtigt sind GehĂ€lter, die gruppennahe Organisationen wie der Verein WandelbĂŒndnis an Aktivisten zahlen.cite-ref-338[338] RTL berichtete im Februar 2023, dass 41 angestellte Aktivisten bis zu 1200 Euro im Monat erhielten. Die Letzte Generation betont in diesem Zusammenhang, dass Aktivisten kein Geld fĂŒr Straßenblockaden, sondern fĂŒr Bildungsarbeit zur Klimakrise bekĂ€men.cite-ref-339[339] Die Bezahlung werde ĂŒber Umwege organisiert. Die „Letzte Generation“ verkaufe auf ihrer Homepage T-Shirts, deren Erlöse in die USA an den CEF gingen. Von dort komme das Geld zurĂŒck an den Berliner „Verein fĂŒr den sozial-ökologischen Wandel“, der die Aktivisten anstelle. Rechnungen z. B. fĂŒr die Materialien sollen laut internen Anweisungen an den gemeinnĂŒtzigen Verein ausgestellt werden, die dann von diesem steuerlich abgesetzt werden können.cite-ref-340[340]cite-ref-341[341]

In Österreich bestehen Überschneidungen der „Letzten Generation“ mit der Umweltaktionsgruppe Extinction Rebellion sowie der Protestbewegung gegen die Stadtstraße Aspern.cite-ref-0-342-0[342] So wird etwa die Website der Letzten Generation Österreich von Compassionate Revolution Ltd., dem hinter Extinction Rebellion stehenden Unternehmen, betrieben.cite-ref-343[343] Dabei handelt es sich um eine britische haftungsbeschrĂ€nkte Kapitalgesellschaft mit Sitz in der Londoner City, die 2022 Einnahmen von 1,6 Millionen Pfund und einen Gewinn von etwa 66.000,- Pfund verzeichnete. EigentĂŒmerin dieser Gesellschaft ist die ebenfalls an dieser Adresse in London ansĂ€ssige Climate Emergency Action Ltd. mit einer Spezialistin fĂŒr internationale Schadenersatzklagen, insbesondere fĂŒr Reparationszahlungen aufgrund der britischen Kolonialzeit, als GeschĂ€ftsfĂŒhrerin. Aufgrund der EigentĂŒmerstruktur sind die Gesellschafter dieses Unternehmens nach britischem Recht der Öffentlichkeit verborgen.cite-ref-344[344]

Ende April 2023 verkĂŒndete Alfred Platow, Vorstandsvorsitzender der Ökoworld AG, das Unternehmen wolle kĂŒnftig Aktivisten der Letzten Generation die in manchen BundeslĂ€ndern Deutschlands und Österreichs erhobenen GebĂŒhren fĂŒr die Loslösung vom Straßenbelag erstatten.cite-ref-345[345]cite-ref-346[346] Die Letzte Generation sprach in Folge vom „erste[n] börsennotierte[n] Unternehmen, das in den zivilen Widerstand“ der Organisation investiere,cite-ref-347[347] allerdings nahm Ökoworld das Angebot wenig spĂ€ter aufgrund öffentlicher Kritik zurĂŒck. Platow kĂŒndigte an, stattdessen aus eigenen Mitteln und denen anderer Privatpersonen 20.000 Euro an einen Fonds zu ĂŒberweisen, der Klimaaktivisten mit Rechtsberatung und sonstigen UnterstĂŒtzungsleistungen ausstattet.cite-ref-348[348]

Im September 2023 nahm die Letzte Generation ĂŒber 300.000 Euro durch eine Spendenaktion ein. Ein Unternehmer verdoppelte den Betrag und kommentierte: „Ich finde die Klebeaktionen schlecht und wĂŒrde mir wĂŒnschen, dass es einen Strategiewechsel gibt“ und „Aber als mich Carla Hinrichs, die Sprecherin der ‚Letzten Generation‘, fragte, welche andere Protestform ich empfehlen wĂŒrde, die von unseren Politikern auch nur halbwegs registriert wĂŒrde, ist mir auch keine bessere Möglichkeit eingefallen 
“cite-ref-349[349]

Das LG-Mitglied Wolfgang Metzeler-Kick befand sich im Zeitraum MĂ€rz bis Juni 2024 mit der Gruppe „Hungern bis ihr ehrlich seid“ im Hungerstreik, um gegen die Klimakrise zu protestieren und die Bundesregierung zur Anerkennung des Problems zu bewegen.cite-ref-350[350]cite-ref-351[351]cite-ref-352[352]cite-ref-353[353]

Rezeption

Politik

Die Co-Vorsitzende der Partei BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Ricarda Lang verteidigte Anfang Februar 2022 mit Blick auf die Aktionen der Gruppe zivilen Ungehorsam, solange er niemanden gefĂ€hrde. Die Gesellschaft mĂŒsse sich fragen, „warum junge Menschen zu solchen Mitteln greifen“.cite-ref-354[354] Lang distanzierte sich jedoch wenige Tage spĂ€ter von den Aktionen der Gruppe, da von den Blockaden auch ein Rettungsfahrzeug betroffen war.cite-ref-355[355]

SpĂ€ter kritisierte der Co-Vorsitzende der Partei BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen Omid Nouripour die Protestmethoden der Gruppe; ihm fehle das VerstĂ€ndnis fĂŒr die Blockade wichtiger Straßen. FĂŒr ihn habe das Angehen kritischer Infrastruktur, die Bedrohung von Menschen und das Aussprechen von Ultimaten mit Demokratie nicht mehr viel zu tun.cite-ref-4-356-0[356]

Bundesminister Cem Özdemir (BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen) kritisierte die Straßenblockaden als schĂ€dlich fĂŒr das gemeinsame Ziel eines Gesetzes gegen Lebensmittelverschwendung. Man könne keine Mehrheiten gewinnen, wenn man Krankenwagen, Polizei oder Erzieherinnen auf dem Weg zur Arbeit blockiere.cite-ref-357[357]

Die Berliner BĂŒrgermeisterin Franziska Giffey (SPD) forderte eine strafrechtliche Verfolgung der Aktivisten, dies wurde jedoch von der Berliner Staatsanwaltschaft via Twitter zurĂŒckgewiesen. Bereits im Februar 2022 hatte Justizminister Marco Buschmann (FDP) die Umweltministerin Steffi Lemke (B90/GrĂŒne) fĂŒr ihr geĂ€ußertes VerstĂ€ndnis fĂŒr Autobahnblockaden kritisiert; „unangemeldete Demos auf Autobahnen“ seien und blieben „immer rechtswidrig“.cite-ref-358[358]cite-ref-359[359] Juristen verweisen indes darauf, dass eine rechtswidrige Nötigung nur beim Einsatz aggressiver Gewalt vorliege; friedliche Straßenblockaden seien durch Entscheidungen des Bundesverfassungsgerichtes geschĂŒtzt.cite-ref-360[360]cite-ref-361[361]

Im November 2022 meinte Alexander Dobrindt (CSU) in einem Gastbeitrag fĂŒr die Bild am Sonntag eine Radikalisierung bei der Letzten Generation, die er als „Klimachaoten“ bezeichnete, zu erkennen und warnte vor einer „Entstehung einer Klima-RAF“.cite-ref-362[362] Dobrindt verharmlose damit „den damaligen Terror und verhöhnt das Leid der Opfer und Hinterbliebenen“ der RAF, so Ricarda Lang. Auch aus der eigenen Partei erhielt Dobrindt Widerspruch.cite-ref-363[363]cite-ref-364[364] Auch Thomas Haldenwang, PrĂ€sident des Verfassungsschutzes,cite-ref-365[365] und die RAF-Experten Wolfgang Kraushaar und Butz Peters widersprachen ihm.cite-ref-366[366] Der damalige niedersĂ€chsische Innenminister Boris Pistorius (SPD) wies die Forderung der Parteien CSU und CDU nach hĂ€rteren Strafen gegenĂŒber Aktivisten der Gruppe zurĂŒck. Ihm zufolge ist Polizeigewahrsam fĂŒr Klima-Aktivisten „mit Kanonen auf Spatzen zu schießen“ und hat im Rechtsstaat nichts zu suchen.cite-ref-367[367]

Nach der frĂŒheren Bundeslandwirtschaftsministerin Renate KĂŒnast (BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen) sei die Form des Protests der letzten Generation ein Problem, da „der Kern des Problems nicht mehr diskutiert wird, sondern nur noch die Frage ,ist das ein legitimer Protest?‘“.cite-ref-368[368]

In einem Gastbeitrag fĂŒr Die Zeit meinten Konstantin von Notz und Katharina Schulze von BĂŒndnis 90/Die GrĂŒnen, dass die radikalen Klimaaktivisten der Letzten Generation der gesellschaftlichen Akzeptanz ihrer politischen Forderungen schadeten. Ihretwegen das Strafrecht zu verschĂ€rfen, sei ebenso falsch. Die PrĂ€ventivhaft von Mitgliedern der Letzten Generation nach dem bayerischen Polizeiaufgabengesetz stelle einen erheblichen Eingriff in das Grundrecht der Freiheit der Person und einen „eklatanten Verstoß gegen jede VerhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit dar“. Der Vergleich mit der RAF verharmlose deren Terror dramatisch, da diese zahlreiche Menschen kaltblĂŒtig ermordet hat.cite-ref-5-369-0[369]

Gregor Gysi (Die Linke) bat den deutschen Bundeskanzler im Dezember 2022 per Brief darum, das GesprÀch mit Aktivisten der Letzten Generation zu suchen bzw. diese zu empfangen. So könne man sie vielleicht auch von Arten des Protests wegbringen, die viele nerven, sagte er.cite-ref-370[370]

Im Februar/MĂ€rz 2023 trafen sich die OberbĂŒrgermeister von Hannover, TĂŒbingen und Marburg unabhĂ€ngig voneinander mit Vertretern der Letzten Generation und signalisierten UnterstĂŒtzung fĂŒr deren Forderungen, worauf diese erklĂ€rte, in diesen StĂ€dten keine Protestaktionen mehr durchfĂŒhren zu wollen.cite-ref-371[371]cite-ref-372[372] Ähnliche GesprĂ€che erfolgten in Greifswald und LĂŒneburg. Stefan Fassbinder und Claudia Kalisch unterstĂŒtzten in Folge zentrale Forderungen der Letzten Generation, kritisierten jedoch die Aktionsformen zur Anbahnung der GesprĂ€che.cite-ref-373[373]cite-ref-374[374] Solche Deals lösten in mehreren Bundestagsfraktionen scharfe Kritik aus bis hin zum Vorwurf der Erpressung.cite-ref-375[375] Volker Schmidt, HauptgeschĂ€ftsfĂŒhrer der ArbeitgeberverbĂ€nde Niedersachsen, sprach von UnterstĂŒtzung der „politischen Forderungen von StraftĂ€tern“. OberbĂŒrgermeister mehrerer anderer deutscher GroßstĂ€dte schlossen ein solches Vorgehen aus.cite-ref-376[376]

Die Hamburger Behörden dagegen leiteten die Forderungen vom 6. MĂ€rz 2023 an die Generalbundesanwaltschaft in Karlsruhe weiter, weil sie einen Verstoß gegen § 105 und § 106 (Nötigung von Verfassungsorganen bzw. von Mitgliedern eines Verfassungsorgans) bedeuten könnten. Daraufhin verzichtete die Letzte Generation darauf, die inkriminierte Formulierung in weiteren Briefen zu verwenden. Es kam zu GesprĂ€chen mit Mitgliedern der BĂŒrgerschaftsfraktionen der SPD und der GrĂŒnen.cite-ref-taz-23-03-2023-26-1[26]

Brandenburgs MinisterprĂ€sident Dietmar Woidke begrĂŒĂŸte im Mai 2023 die Entscheidung des Landgerichts Potsdam, in der der Anfangsverdacht hinsichtlich Bildung krimineller Vereinigungen bejaht worden war. Es sagte: „Es gibt eine Verabredung zur Begehung von Straftaten.“cite-ref-377[377] Zuvor sahen bereits der Brandenburger Innenminister Michael StĂŒbgen und die dortige Justizministerin Susanne Hoffmann Anhaltspunkte fĂŒr eine Bewertung der Letzten Generation als kriminelle Vereinigung.cite-ref-378[378] Dagegen merkte die SPD-Vorsitzende Saskia Esken im Nachgang der im gleichen Monat erfolgten Razzien an, dass die gewĂ€hlten Mittel stets verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig sein mĂŒssten.cite-ref-379[379]

Die Vereinten Nationen heben die Bedeutung von KlimaschĂŒtzern und deren Aktionen hervor: „Klimaaktivisten – angefĂŒhrt von der moralischen Stimme junger Menschen – haben ihre Ziele auch in den dunkelsten Tagen weiter verfolgt. Sie mĂŒssen geschĂŒtzt werden, und wir brauchen sie jetzt mehr denn je“. Sie hĂ€tten in „entscheidenden Momenten maßgeblich dazu beigetragen, Regierungen und WirtschaftsfĂŒhrer dazu zu bewegen, viel mehr zu tun“. Ohne sie wĂ€ren die weltweiten Klimaziele bereits außer Reichweite, sagte Stephane Dujarric. Zugleich sagte der Sprecher von UN-GeneralsekretĂ€r AntĂłnio Guterres, Regierungen hĂ€tten trotz des herrschenden Grundrechts auf friedliche Demonstrationen natĂŒrlich die Verantwortung, Gesetze durchzusetzen und die Sicherheit zu gewĂ€hrleisten.cite-ref-380[380]

Beim Kirchentag in NĂŒrnberg sagte der GrĂŒnen-Politiker und Bundesminister Robert Habeck im Juni 2023, der Protest der Letzten Generation erzeuge nur Ärger und Zorn und treibe die Leute weg; er sei keine Hilfe beim Klimaschutz.cite-ref-381[381]

Innenministerin Nancy Faeser (SPD) Ă€ußerte ebenfalls im Juni 2023, wir akzeptieren nicht, dass Aktivisten die Rechte anderer verletzen. Dem Klimaschutz nutze das ĂŒberhaupt nichts, im Gegenteil: Die Aktivisten schaden der Akzeptanz massiv. Faeser verteidigte, dass die Polizei einschreitet und Aktivisten vor Gericht landen.cite-ref-382[382]

Der EU-Parlamentarier und Satiriker Martin Sonneborn (Die PARTEI) veröffentlichte Mitte Juni 2023 eine Videobotschaft, in der er das juristische Vorgehen gegen Beschuldigte der Letzten Generation mit der Verfolgung von „Gedankenverbrechen“ verglich. Er forderte, „keine weiteren Haftstrafen mehr gegen Leute zu verhĂ€ngen, die sich friedlich fĂŒr das Überleben der Menschheit einsetzen“.

Nach einer AllgemeinverfĂŒgung durch den Stuttgarter OberbĂŒrgermeister Frank Nopper, die das Festkleben im Straßenraum ab dem 8. Juli 2023 untersagt, blockierten mehrere Stuttgarter Stadtratsmitglieder um Hannes Rockenbauch zwei Fahrstreifen der HauptstĂ€tter Straße.cite-ref-383[383]

Wissenschaft

Der Klimaforscher Mojib Latif bezeichnet die Protestaktionen der Letzten Generation als „völlig kontraproduktiv“. In einer demokratischen Gesellschaft seien sie „ein No-Go“: Wenn jeder, der ein berechtigtes Anliegen hat, sich festkleben oder irgendwelche Kunstwerke beschĂ€digen oder bewerfen wĂŒrde, wĂŒrde die Gesellschaft im Chaos enden. Der Zweck heilige nicht die Mittel.cite-ref-384[384]

Laut dem Sozialphilosophen Robin Celikates riskieren die Aktivisten mit ihren Blockadeaktionen bis zur EinfĂŒhrung eines Essen-Retten-Gesetzes den Vorwurf der Nötigung, wenn sie keine zusĂ€tzliche Überzeugungsarbeit in der breiten Öffentlichkeit leisten. Den von konservativen Kreisen vertretenen Vorwurf der Erpressung hĂ€lt er fĂŒr eine Diffamierung, da die Aktivisten keine Bereicherung anstreben. Laut Celikates, der sich mit der Erforschung des zivilen Ungehorsams beschĂ€ftigt, wollen die Aktivisten die Politik zum Handeln bewegen und durch Blockaden die Kosten in die Höhe treiben. FĂŒr Celikates gehören Protestformen wie ziviler Ungehorsam zur Demokratie und seien keine antidemokratische Praktik.cite-ref-2-385-0[385]

Der Politikwissenschaftler Alexander Straßner sieht Gruppen aus der Klimaschutzbewegung wie Letzte Generation, Ende GelĂ€nde und Extinction Rebellion besonders kritisch. Aufgrund der Blockaden von Straßen und Kohlekraftwerken warnt er vor einer weiteren Radikalisierung und sieht Parallelen zu den ersten RAF-Mitgliedern.cite-ref-386[386] Den Vergleich von Gruppen der Klimaschutzbewegung mit der linken Terrororganisation RAF kritisierte der hannoversche Landesbischof Ralf Meister, da er ĂŒberzeugte Klimaaktivisten diskreditiere.cite-ref-387[387] Der Politikwissenschaftler Wolfgang Kraushaar hĂ€lt den Vergleich mit der RAF ebenfalls fĂŒr unangemessen. Er sehe keine Vorstufe zu einer solchen Entwicklung wie etwa die Kaufhaus-Brandstiftungen 1968. Die Politik „tĂ€te gut daran, sich nicht in den gleichen Überbietungswettbewerb zu begeben, in dem sich die ‚Letzte Generation‘ bereits befindet“.cite-ref-388[388]

Der Theologe und Sozialethiker Andreas Lob-HĂŒdepohl, seit 2016 Mitglied im Deutschen Ethikrat, hĂ€lt das Störelement solcher Protestaktionen „als solches nicht fĂŒr verwerflich“. Es liege in der Natur der Sache, mĂŒsse aber verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig sein. Viel zu wenige seien „bereit, das eigene Handeln im Alltag zu Ă€ndern oder entsprechende politische Vorgaben zu unterstĂŒtzen“. Deshalb rĂŒhrten die Blockierer „an das tiefe schlechte Gewissen vieler Menschen, insbesondere auch politischer Akteure“.cite-ref-389[389]

Die Kriminologin Katrin Höffler bezweifelt die Wirksamkeit von im öffentlichen Diskurs und Teilen der Politik geforderten StrafverschĂ€rfungen. Sie hĂ€lt diese sogar fĂŒr kontraproduktiv. Sie legt dar, dass mögliche GrundrechtseinschrĂ€nkungen mit dem Ziel der PrĂ€vention der Radikalisierung aus verschiedenen GrĂŒnden nicht funktionieren. Einerseits wegen der erhöhten Betroffenheit und damit großen Motivation in der jungen TĂ€ter- und Sympatisantenkohorte, anderseits auch aus entwicklungskriminologischen Aspekten der Altersgruppe. Neben der straftheoretischen Bewertung fĂŒhrt Höffler die Gefahren durch eine fehlgeleitete Kriminalpolitik an, die zu einer Erhöhung des Handlungsdruckes in den Reaktionsmustern gemĂ€ĂŸ der Anomietheorie fĂŒhren kann. Stattdessen empfiehlt sie, „diese Stimmen zu hören, anstatt sie zu SĂŒndenböcken zu machen, sich auf die strafende Gesellschaft zurĂŒckzuziehen, die ihre eigene Ohnmacht (ĂŒber die KomplexitĂ€t der Aufgabe, den Klimawandel abzumildern) dadurch kaschiert, dass sie die Protestierenden abstraft.“cite-ref-390[390]

130 BeschĂ€ftigte der UniversitĂ€t Passau, darunter 26 Professoren, riefen im Februar 2023 in einer offenen Stellungnahme zu Besonnenheit im Umgang mit den Aktionen der Letzten Generation auf, an denen sich auch Studierende der UniversitĂ€t beteiligt hatten. Die Unterzeichner wĂŒrden einige dieser Aktionen nicht befĂŒrworten und „die besondere Beanspruchung insbesondere der OrdnungskrĂ€fte“ anerkennen, bezeichneten die jungen Studierenden aber „weitgehend als besonnen und friedliebend“, die „mit großem zivilgesellschaftlichen Engagement gemeinnĂŒtzige Ziele, die wir alle teilen“ verfolgten, nĂ€mlich „im Angesicht der nahenden Klimakatastrophe die CO2-Emissionen in Deutschland drastisch zu verringern und die Zerstörung unserer Lebensgrundlagen zu beenden“.cite-ref-391[391]cite-ref-392[392] Scientists for Future Deutschland unterstĂŒtzte den Offenen Brief und wandte sich ebenfalls gegen diskriminierende Bezeichnungen der Aktivisten der Letzten Generation.cite-ref-393[393]

Die Wirtschaftspsychologin an der Hochschule Bonn-Rhein-Sieg, Maria-Christina Nimmerfroh, beschrieb am 19. April 2023 im MDR die internen Strukturen der Organisation:

„Es gibt einen großen Unterschied zu linken Gruppierungen, die heute in Deutschland aktiv sind. FĂŒr linke Gruppen ist der Staat traditionell eine Art Gegner, vor dem man sich versteckt und zurĂŒckzieht und wo man keinen Einblick in die AktivitĂ€ten gewinnt. Die letzte Generation instrumentalisiert den Staat, insbesondere Polizei und Justiz, und integriert das in die eigenen MarketingaktivitĂ€ten, eben zum Beispiel durch das Zurschaustellen von Wegtragen oder durch die Zelebrierung von Gerichtsprozessen. Das ist eine völlig andere Sicht auf den Staat und damit auch eine völlig unterschiedliche Organisationskultur. Die letzte Generation ist sehr zentralistisch organisiert.“cite-ref-394[394]

In der FASZ vom 16. Juli 2023 beurteilte Nimmerfroh die Struktur und Ziele der Letzten Generation folgendermaßen:

„Sie sehen sich als Speerspitze einer revolutionĂ€ren Idee. Die wollen eine gesellschaftliche VerĂ€nderung, natĂŒrlich in der Hoffnung, dass sich damit auch Klimaschutzmaßnahmen verĂ€ndern. Aber die Protestform, der zivile Widerstand, ist zum Selbstzweck geworden.“cite-ref-395[395]

Im Interview mit der Tagesschau erklÀrte sie aus ihrer Sicht das psychologische PhÀnomen, warum die Aktionen der Letzten Generation so viel Ablehnung hervorrufe:

„In der Psychologie sprechen wir von Reaktanz – der Reaktion auf FreiheitseinschrĂ€nkungen. Menschen versuchen normalerweise, ihre Freiheit wieder zu erlangen. Und der erste Impuls als Reaktion auf die Blockaden ist hĂ€ufig, dass die Leute einfach sauer werden. Die Letzte Generation hat ein Logikproblem. Viele BĂŒrger erkennen den Zusammenhang nicht zwischen: ‚Die blockieren die Straße, auf der ich fahre‘ und ‚Deshalb soll die Regierung etwas Bestimmtes tun‘.“cite-ref-396[396]

Noam Chomsky unterstĂŒtzte in einer Videobotschaft, aufgenommen vor dem Mai 2022, die Aktionen von Just Stop Oil und sprach vom „grĂ¶ĂŸten Leid und Ungerechtigkeit in der Geschichte der Menschheit“ durch die Klimakrise. Die Letzte Generation verwendet das Video unbearbeitet im eigenen Youtube-Kanal.cite-ref-397[397]

Der frĂŒhere VerfassungsgerichtsprĂ€sident und Hochschullehrer Andreas Voßkuhle bezeichnete das Vorgehen der Letzten Generation als „harmlose Sandkastenspiele“. Er sagte, dass die Wahl der Methoden lediglich aufmerksamkeitsökonomisch begrĂŒndet liege.cite-ref-398[398] Der Staatswissenschaftler Helge Peukert attestierte der Letzten Generation „eine LĂŒcke zwischen Diagnose und Forderungskatalog“.cite-ref-399[399] Den „moderaten Zielsetzungen“ der Letzten Generation stellte er infolge einen Forderungskatalog gegenĂŒber, der der Ansprache der Klimakrise angemessener sei.cite-ref-400[400]

Ein WZB-Preprint unter Beteiligung von Swen Hutter legt nahe, dass die gewĂ€hlte Protestform der Letzten Generation und anderer Gruppen wenig bis keinen direkten Effekt auf die Haltung der Bevölkerung zum Klimaschutz habe. Vielmehr zeige sich eine Polarisierung entlang bereits zuvor eingenommener politischer Positionen und Lager.cite-ref-401[401] FrĂŒhere Studien zu gewaltlosen Protestformen der Klimabewegung suggerieren, dass radikale Protestformen die Problemwahrnehmung bei moderat positionierten Personen stĂ€rken und bereits sympathisierende Menschen zu eigenem Engagement bewegen.cite-ref-402[402]

Die Historikerin Hedwig Richter rechtfertigte die mit der Farb-Attacke der Letzten Generation auf das Brandenburger Tor im September 2023 entstandene „Wunde“ mit der „Erinnerung an die Zerstörung, die die Menschen tagtĂ€glich vollbringen.“ Zur Wirkung der Gruppe insgesamt verwies sie auf den radical flank effect, demzufolge eine aktive radikale Gruppe durch ihre RadikalitĂ€t und Unbeliebtheit eine weniger radikale Gruppe legitimiere, in diesem Fall Fridays for Future.cite-ref-403[403] Dieser Effekt wurde in Großbritannien zwischen den Ă€hnlich positionierten Klimabewegungen Just Stop Oil und Friends of the Earth nachgewiesen.cite-ref-404[404]cite-ref-405[405]

Journalismus

Der Journalist Reinhard Mohr beschrieb in der NZZ die Gruppe als sektiererisch und demokratieverachtend mit ihrer Einstellung, dass nur „eine kleine, radikale Minderheit, eine selbstlose und hellsichtige politische Avantgarde“ uns vor der endgĂŒltigen Katastrophe retten könne.cite-ref-406[406]

Der Journalist Christoph von Marschall (Der Tagesspiegel) sieht eine Diskrepanz zwischen „der Selbstsicht der Protestierer und ihrer Wahrnehmung durch die BĂŒrger“. Die Wut der Autofahrer entzĂŒnde sich weniger an den Verkehrsbehinderungen, sondern „eher an der elitĂ€ren Arroganz, die aus der Selbstinszenierung der Letzten Generation spricht“. Die Bewegung trete auf, „als sei sie im Besitz einer absoluten Wahrheit“. Sie nehme sich das „Recht zur Selbstjustiz und vertraut darauf, dass der Staat die Opfer ihrer Blockaden hindert, ebenfalls zur Selbstjustiz zu greifen“.cite-ref-407[407]

Eva von Redecker, die angesichts der Dringlichkeit fĂŒr entschiedenere Handlungen plĂ€diert, kommentierte die Aktionsformen der Letzten Generation mit: „Wenn man denkt, dass Militanz jemals in der Geschichte ethisch gerechtfertigt war, dann sind es auch diese Proteste“.cite-ref-6-408-0[408]

Der Journalist Stefan Niggemeier kritisierte am 4. November 2022 im Blog Übermedien eine Äußerung von Innenministerin Nancy Faeser zu der Blockade der Berliner Stadtautobahn A 100 am 31. Oktober 2022 als Vorverurteilung sowie die empörte Berichterstattung in den Medien und die Äußerungen von Politikern „nach dem Motto: Seht her, wir haben es immer gesagt, und nun habt ihr ein Menschenleben auf dem Gewissen.“cite-ref-409[409]

Laut einer Umfrage von Civey fĂŒr Spiegel Online im November 2022 lehnte eine große Mehrheit der Bevölkerung die Protestformen der Letzten Generation ab. Eine große Mehrheit meinte weiterhin, dass die Bundesregierung nicht genug unternehme, „um die BĂŒrger vor den Folgen des Klimawandels zu schĂŒtzen“.cite-ref-410[410] Laut einer Umfrage der Forschungsgruppe Wahlen fĂŒr das ZDF-Politbarometer im MĂ€rz 2023 gehen einer großen Mehrheit die Blockaden von Hauptverkehrsstraßen durch Aktivisten zu weit. Vereinbarungen der Letzten Generation mit deutschen GroßstĂ€dten begrĂŒĂŸt eine Mehrheit.cite-ref-411[411]

Aufsehen erregten Angehörige der Letzten Generation, die sich bei Gerichtsverhandlungen entschuldigen ließen, weil sie einen Flug nach Bali oder eine Kreuzfahrt gebucht hatten. Ein Sprecher erklĂ€rte zum ersten Fall, die Aktivisten seien als Privatleute und nicht als KlimaschĂŒtzer gereist.cite-ref-412[412]cite-ref-413[413]

Ines Schwerdtner bezeichnete das Vorgehen der Gruppe als „strategische Sackgasse, weil genau die breite Masse eher genervt auf die Aktionen reagiert, selbst wenn sie grundsĂ€tzlich nicht einmal etwas gegen Klimaaktivismus haben.“ Ihrer Meinung nach mĂŒsse sich Protest daran bemessen, „ob sich eine kritische Öffentlichkeit und ein Solidarisierungseffekt einstellt, weil er sich gegen herrschende Interessen stellt.“cite-ref-414[414]

Im MĂ€rz 2023 berichtete das NDR-Medienmagazin Zapp unter der Überschrift „Radikal umstritten“ von einem Medienhype um Klimaaktivisten.cite-ref-415[415]

Samira El Ouassil kommentierte den Aktionsfokus der Letzten Generation auf Luxussymbole und VerantwortungstrĂ€ger in Der Spiegel 2023 als „konsequente Entwicklung ihres Aktivismus“, da sie sinngemĂ€ĂŸ die NormalitĂ€t des Verhaltens von Superreichen und EntscheidungstrĂ€gern in Frage stelle.cite-ref-416[416]

Nick Reimer erinnerte 2024 in der taz daran, dass Wolfgang SchĂ€uble 2019 es als großes GlĂŒck bezeichnete, auf die Malediven zu fliegen oder Venedig zu besuchen, wir jedoch von diesem GlĂŒck sparsamer Gebrauch machen sollten. In diesem Sinne ordnete Reimer den Protest als „friedlich, legitim und notwendig“ ein.cite-ref-417[417]

Kunst und Kultur

Unter dem Titel „Klimaschutz ist kein Verbrechen“ solidarisierten sich im November 2022 KĂŒnstler mit der Letzten Generation. In dem offenen Brief hieß es: „Wir als KĂŒnstler*innen sind traditionell stolz darauf, Haltung zu zeigen, politisch zu sein. (
) Das sind die MaßstĂ€be, an denen wir uns in dieser entscheidenden Phase der Menschheitsgeschichte messen lassen mĂŒssen. Der drohende Kollaps gefĂ€hrdet nicht zuletzt unsere Demokratie und damit die freiheitliche Gesellschaftsordnung, die wir als KĂŒnstler*innen fĂŒr unsere Arbeit brauchen.“ Der Brief wurde bis Mitte Dezember 2022 von knapp 2.000 Kunstschaffenden unterzeichnet, unter anderem von Rainald Grebe, Kathrin Röggla, Thomas Ostermeier und AmĂ©lie Niermeyer.cite-ref-418[418]cite-ref-419[419]cite-ref-420[420]

Im Mai und September 2023 unterstĂŒtzte eine Gruppe von Kabarettisten unter den Namen Kabarettist:innen for Future Straßenblockaden der Letzten Generation in Wien, darunter Martin Puntigam, Robert Palfrader, GĂŒnther Paal, Berni Wagner und Antonia Stabinger.cite-ref-8-421-0[421]cite-ref-422[422]

Die 2023 erschienenen Romane Mittsommertage von Ulrich Woelkcite-ref-423[423] und Wut von Raphael Thelen,cite-ref-424[424] die ZDF-Serie Aufgestautcite-ref-425[425]cite-ref-426[426] handeln von der Letzten Generation.

Der PEN Berlin erhob im November 2023 Einspruch gegen eine mögliche Einstufung der Letzten Generation als kriminelle Vereinigung. Sein Sprecher Deniz YĂŒcel sagte in einer Pressemitteilung:

„Man muss die Letzte Generation nicht mögen. Man kann ihre drastischen Warnungen vor einer drohenden Klimakatastrophe teilen oder fĂŒr ĂŒberzogene Apokalyptik halten. Man kann einige ihrer Forderungen wie die Einrichtung eines ‚Klimarates‘ fĂŒr antidemokratisch halten und ihr vorwerfen, mit ihren Straßenblockaden und anderen Aktionen dafĂŒr gesorgt zu haben, dass die gesellschaftliche Zustimmung fĂŒr klimapolitische Maßnahmen heute niedriger ist als noch vor einigen Jahren. Ihr – stets friedlicher – Protest darf aber nicht auf diese Weise kriminalisiert werden.“cite-ref-427[427]

Die Autorin Cornelia Funke sagte 2023, sie respektiere und verstehe die Verzweiflung. Den Hass, der den Aktivisten entgegenschlage, empfinde sie als verstörend. Sie werde wĂŒtend auf die, „die gerade dieses Ökosystem zerstören“ und nicht auf die Aktivisten.cite-ref-428[428]

Organisationen

Polizeigewerkschaften

Die Deutsche Polizeigewerkschaft (DPolG) forderte in einer Pressemitteilung Ende Februar 2022 die Beobachtung der Organisation durch den Verfassungsschutz. Es gehe „nicht nur um ein paar junge Spinner, die man wegtragen kann, sondern um konkret staatsfeindliches Handeln, [
]“ und „Das Leben vieler Menschen könnte konkret in Gefahr geraten [
]“. Auch der Unterbindungsgewahrsam mĂŒsse ausgebaut und konsequent angewendet werden.cite-ref-429[429]

Die Gewerkschaft der Polizei (GdP) kritisiert die Straßenblockaden laufend. Die Aktivisten nĂ€hmen in Kauf, dass Menschen in Not lĂ€nger auf die Hilfe von Polizei und Feuerwehr warten mĂŒssten.cite-ref-430[430]cite-ref-431[431]

Evangelische Kirche

Kristina KĂŒhnbaum-Schmidt, Landesbischöfin der Nordkirche und Klimabeauftragte der EKD, sagte ĂŒber die Aktivisten, ihre Proteste hĂ€tten im Alltag eine Unterbrechungsfunktion, wie ein Gewissen, und fĂŒhrte aus: „Diese Unterbrechungsfunktion nehmen wir als Kirche ja auch wahr, nĂ€mlich mindestens jeden Sonntag“. Anna-Nicole Heinrich, PrĂ€ses der Synode der Evangelischen Kirche in Deutschland, sprach von einer „UnverhĂ€ltnismĂ€ĂŸigkeit, wie gerade jene behandelt werden, die zivilen Ungehorsam leisten“. Die jungen Menschen seien an einem konstruktiven Diskurs interessiert und wĂŒrden in eine kriminelle Ecke gestellt. PrĂ€ventivhaft sei eine UnverschĂ€mtheit. Aus der Kirche kamen jedoch auch kritische Stimmen zum Nutzen von Straßenblockaden.cite-ref-3-432-0[432] Mancherorts kooperieren lokale Gemeinden mit den Aktivisten und stellen RĂ€umlichkeiten fĂŒr Pressekonferenzen und Veranstaltungen zur VerfĂŒgung.cite-ref-433[433]cite-ref-434[434]

Verfassungsschutz

Nach einer EinschĂ€tzung des Bundesamts fĂŒr Verfassungsschutz von Ende Januar 2023 bedroht die Letzte Generation weiterhin nicht die freiheitlich-demokratische Grundordnung Deutschlands. Sein PrĂ€sident Thomas Haldenwang erklĂ€rte, es gĂ€be zwar Versuche linksextremistischer Gruppen, Einfluss auf die Gruppierung zu nehmen. Es lĂ€gen jedoch noch keine „hinreichenden Anhaltspunkte fĂŒr eine GefĂ€hrdung der freiheitlich-demokratischen Grundordnung“ vor.cite-ref-435[435] Zwar sei die Letzte Generation laut Der Spiegel 2022 als PrĂŒffall eingestuft worden, damit sei laut Haldenwang aber nicht automatische eine qualitative EinschĂ€tzung verbunden.cite-ref-436[436]

Nach EinschĂ€tzung des Bayerischen Landesamtes fĂŒr Verfassungsschutz vom April 2023 ist die Letzte Generation weder geprĂ€gt noch gesteuert von Linksextremisten. Sie hĂ€tte nicht das Ziel, „sich gegen den Staat, die Demokratie oder die WĂŒrde des Menschen zu richten“. Sie sei auch kein Beobachtungsobjekt.cite-ref-437[437] Auch alle ĂŒbrigen LandesĂ€mter fĂŒr Verfassungsschutz schĂ€tzen die Gruppierung nicht als extremistisch ein.cite-ref-10-438-0[438]

Die österreichische Direktion Staatsschutz und Nachrichtendienst (DSN) gab 2023 bekannt, dass wenn dann nur einzelne Personen aus dem Umfeld der Letzten Generation aufgrund ihrer parallelen AktivitĂ€t im linksautonomen Spektrum beobachtet wĂŒrden.cite-ref-7-439-0[439]cite-ref-8-421-1[421] Die Letzte Generation („Last Generation“) selbst ist „aktuell nicht als linksextrem eingestuft“.cite-ref-440[440] Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) Ă€ußerte VerstĂ€ndnis fĂŒr Klimaproteste, stellte aber fest: „Die Polizei mĂŒsse konsequent gegen die extremen ‚Klimakleber‘ vorgehen“.cite-ref-7-439-1[439]

Fridays for Future

Im April 2023 sprachen 30 deutsche Fridays-for-Future-Ortsgruppen ihre SolidaritĂ€t mit der Letzten Generation aus.cite-ref-441[441] Im August 2023 meinte Luisa Neubauer, die fĂŒhrende Aktivistin von Fridays for Future, in Bezug auf die Letzte Generation, es sei nicht immer wirksamer, wenn man „doller draufhaut“. Es könne auch wirksamer sein, wenn etwas „ganz leise und unverhofft aus unerwarteten Ecken kommt“. Man mĂŒsse bedenken, dass gewisse Aktionen Menschen und politische EntscheidungstrĂ€ger im schlimmsten Fall auch abschrecken können.cite-ref-442[442]

Bundeskriminalamt

Das Bundeskriminalamt (BKA) sah auch im Juni 2023 kein Risiko der Radikalisierung des BĂŒndnisses. Auch ein Abdriften in den Extremismus könne nicht festgestellt werden. Stattdessen ziele die Gruppe in Inhalten und Auftreten auf gesellschaftliche AnschlussfĂ€higkeit ab.cite-ref-10-438-1[438]

UN-Sonderberichterstatter fĂŒr UmweltschĂŒtzer

Im MĂ€rz 2024 kritisierte der „UN-Sonderberichterstatter fĂŒr Environmental Defenders auf Basis der Aarhus-Konvention“, Michel Forst, in seinem Bericht „Staatliche UnterdrĂŒckung von Umweltprotesten und zivilem Ungehorsam – eine große Gefahr fĂŒr Menschenrechte und Demokratie“ eine zunehmende Feindseligkeit gegenĂŒber Umweltaktivisten in mehreren LĂ€ndern Europas, die als vorbildliche Demokratien gĂ€lten, darunter Deutschland und Österreich. EuropĂ€ische Medienberichte konzentrierten sich hĂ€ufig auf das Geschehen rund um die Demonstrationen und nicht auf die Klimakrise, die Auslöser fĂŒr diese Proteste sei. Bayern warf er vor, die AusĂŒbung des Demonstrationsrechts zu behindern, konkret mit den Ermittlungen gegen die Letzte Generation wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung und insbesondere mit der regelmĂ€ĂŸigen Anwendung des PrĂ€ventivgewahrsams gegen ihre Aktivisten. Die Einstufung von Umweltaktivismus als mögliche Terrorbedrohung trĂŒge dazu bei, dass „der zivile Raum schrumpft und die VitalitĂ€t demokratischer Gesellschaften ernsthaft gefĂ€hrdet wird.“ Das bayerische Innenministerium wies die Kritik zurĂŒck und verteidigte den PrĂ€ventivgewahrsam, der „die Verhinderung von konkret angekĂŒndigten Straftaten oder GefĂ€hrdungen anderer“ zum Ziel habe.cite-ref-443[443]cite-ref-444[444]cite-ref-445[445]

Auszeichnungen
Reportagen

‱ Spiegel TV: SprĂŒhen. Kleben. Blockieren. Die „Action-Days“ der „Letzten Generation“ auf YouTube, 8. November 2022 (Laufzeit: 8 min).
‱ Spiegel TV: Die Klima-Aktivisten der „Letzten Generation“ auf YouTube, 5. Juli 2022 (Laufzeit: 9 min).
‱ Re: Klimaschutz oder Krawall? ARTE, 2023, abgerufen am 20. April 2023.
‱ SWR Doku: Radikal fĂŒrs Klima – Helden oder Kriminelle? auf YouTube, 28. Juni 2023 (Laufzeit: 44 min).
‱ Warum die Letzte Generation inzwischen auch die GrĂŒnen nervt. In: Spiegel TV, 7. Juli 2023 (55 min).

Literatur

‱ Nils-Christian Kumkar: Die Radikalisierung der Radikalisierungsbehauptung. Zum Diskurs ĂŒber die Letzte Generation. In: Soziopolis, 16. November 2022 (online).
‱ Lea Bonasera (MitgrĂŒnderin der Letzten Generation): Die Zeit fĂŒr Mut ist jetzt! Wie uns ziviler Widerstand aus Krisen fĂŒhrt, S. Fischer Verlag, Frankfurt am Main 2023, ISBN 978-3-10-397574-1.

Weblinks

Commons

: Letzte Generation

– Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Commons

: Aufstand der letzten Generation

– Sammlung von Bildern und Videos

Wiktionary: Klimakleber

– BedeutungserklĂ€rungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen

‱ letztegeneration.org
‱ letztegeneration.at

Einzelnachweise

cite-note-11. ↑ Vera Schroeder: SZ-Klimakolumne: Die letzte Generation und die Wissenschaft. In: sueddeutsche.de. 12. Mai 2023, abgerufen am 22. September 2024.
cite-note-22. ↑ mdr.de: Letzte Generation vor den Kipppunkten: Forschende hadern mit Klima-Aktivisten | MDR.DE. Abgerufen am 22. September 2024.
cite-note-33. ↑ DPMA: Wort-Bild-Marke Letzte Generation. DPMA, abgerufen am 20. Dezember 2024.
cite-note-44. ↑ Letzte Generation Österreich löst sich auf. In: derstandard.at. 6. August 2024, abgerufen am 6. August 2024. Paywall.
cite-note-55. ↑ Deutsche lehnen Straßenblockaden mehrheitlich ab; Tagesschau.de, 23. Juni 2023, abgerufen am 18. Dezember 2024.
cite-note-66. ↑ BeschlĂŒsse des Landgerichts MĂŒnchen I: Ermittlungsverfahren gegen mutmaßliche Mitglieder der „Letzten Generation“ wegen des Verdachts der Bildung einer kriminellen Vereinigung. 23. November 2023, abgerufen am 19. Juli 2024.
cite-note-77. ↑ Jonas Schaible: (S+) Carla Hinrichs: »Wir sind nicht mehr die Letzte Generation«. In: Der Spiegel. 19. Dezember 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 19. Dezember 2024]).
cite-note-88. ↑ Neuer Name, neue Proteste: "Letzte Generation" legt ihre Vergangenheit ab. In: Stern. 26. Februar 2025, abgerufen am 12. April 2025.
cite-note-99. ↑ Levin Kubeth: (S+) Letzte Generation will jetzt Neue Generation heißen: »Unsere Demokratie ist nicht der Weisheit letzter Schluss«. In: Der Spiegel. 26. Februar 2025, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 27. Februar 2025]).
cite-note-1010. ↑ Daniel Peter: Neue statt Letzte Generation: Geklebt wird jetzt im Kleinen. In: BR24. 11. MĂ€rz 2025, abgerufen am 2. April 2025.
cite-note-1111. ↑ Klima-Kleber besprĂŒhen Tesla-Autohaus - und posieren danach fĂŒr die Kamera. In: Focus. 1. April 2025, abgerufen am 2. April 2025.
cite-note-1212. ↑ Christian Barth: Klima-Kriminelle plĂ€tten Tesla-Fahrzeuge in Charlottenburg. In: bz-berlin.de. 9. April 2025, abgerufen am 12. April 2025.
cite-note-131. Global Carbon Project: Global CO2 pathways using Remaining Carbon Budgets. In: Figures from the Global Carbon Budget 2024. University of Exeter, 3. November 2024, abgerufen am 3. April 2025 (englisch).
cite-note-1414. ↑ Das sind die grĂ¶ĂŸten Klimaprotest-Gruppen und ihre Forderungen. In: rbb. 18. April 2023, abgerufen am 21. Juli 2023.
cite-note-1515. ↑ Die letzte Generation? In: Kurier. 3. Januar 2023, abgerufen am 1. Mai 2023.
cite-note-1616. ↑ Sascha Lobo: »Letzte Generation«: Warum die Gruppe toxisch ist – und deshalb gebraucht wird. In: Der Spiegel. 14. Dezember 2022, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 1. Mai 2023]).
cite-note-172. Tweet von Barack Obama. In: Twitter. Abgerufen am 1. Mai 2023.
cite-note-1818. ↑ Letzte Generation kĂŒndigt neue Verkehrsblockaden an. Die Zeit, 22. August 2023, abgerufen am 16. September 2023.
cite-note-1919. ↑ Expertenrat kritisiert Klimaschutzprogramm der Ampel als unzureichend. In: Die Zeit. 22. August 2023, abgerufen am 16. September 2023.
cite-note-2020. ↑ Forderungen an die deutsche Bundesregierung. In: Aufstand der letzten Generation. Abgerufen am 26. Januar 2022.
cite-note-2121. ↑ Forderungen an die österreichische Bundesregierung. In: Aufstand der letzten Generation. Abgerufen am 13. Februar 2022.
cite-note-2222. ↑ Demonstranten blockieren Straßen in Regierungsviertel. In: n-tv.de. 18. MĂ€rz 2022, abgerufen am 21. MĂ€rz 2022.
cite-note-2323. ↑ Berlin: „Letzte Generation“ beschmiert Brandenburger Tor. SĂŒddeutsche Zeitung, 17. September 2023, abgerufen am 28. September 2023.
cite-note-ntv-2424. ↑ Neue Welle der Klimaproteste setzt ein. In: n-tv.de, 20. Oktober 2022.
cite-note-2525. ↑ Mona Jaeger und Eckart Lohse: Wie radikal darf Klimakampf sein? Die „Letzte Generation“ fordert alle Parteien heraus. Vor allem fĂŒr die GrĂŒnen könnten die Aktivisten zum Problem werden. In: Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12. Dezember 2022.
cite-note-taz-23-03-2023-2626. ↑ Gernot Knödler: Hamburg will nun doch reden. In: taz nord vom 23. MĂ€rz 2023, S. 21.
cite-note-2727. ↑ Gernot Knödler: Die Letzte Generation will reden. KlimaschĂŒtzer sagen „sorry“. taz, 23. MĂ€rz 2023; abgerufen am 21. April 2023.
cite-note-2828. ↑ Brief an die Bundesregierung. Letzte Generation, April 2023; abgerufen am 21. April 2023.
cite-note-2929. ↑ Parlament aufmischen – Stimme der Letzten Generation. In: Letzte Generation. Abgerufen am 21. Februar 2024.
cite-note-3030. ↑ Alphabetisches Verzeichnis aller Bewerberinnen und Bewerber – Die Bundeswahlleiterin. Abgerufen am 10. Juni 2024.
cite-note-bwa-3131. ↑ Bundeswahlausschuss: 35 Parteien und sonstige politische Vereinigungen zur Europawahl zugelassen. tagesschau.de, 29. MĂ€rz 2024, abgerufen am 30. MĂ€rz 2024.
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cite-note-3333. ↑ Hans Michael Heinig: Heiligt der Zweck die Mittel? Zum Umgang mit zivilem Ungehorsam im demokratischen Rechtsstaat. In: Neue Kriminalpolitik. Band 35, Nr. 2, 2023, ISSN 0934-9200, S. 231–248, doi:10.5771/0934-9200-2023-2-231 (nomos-elibrary.de [abgerufen am 5. September 2023]).
cite-note-3434. ↑ Dieter Rucht: Die Letzte Generation: Eine kritische Zwischenbilanz. In: Forschungsjournal Soziale Bewegungen. Band 36, Nr. 2, 1. Juni 2023, ISSN 2365-9890, S. 186–204, doi:10.1515/fjsb-2023-0018 (degruyter.com [abgerufen am 5. September 2023]).
cite-note-3535. ↑ Mark Porter: Wie weit darf ziviler Ungehorsam gehen? In: Zeitschrift fĂŒr Religion und Weltanschauung (ZRW). Band 86, Nr. 3, 2023, ISSN 0721-2402, S. 171–179, doi:10.5771/0721-2402-2023-3-171 (nomos-elibrary.de [abgerufen am 12. September 2023]).
cite-note-3636. ↑ UNSER PROTESTKONSENS. Abgerufen am 1. Mai 2023.
cite-note-3737. ↑ Dieter Rucht: Die Gratwanderung der Letzten Generation. In: BlĂ€tter fĂŒr deutsche und internationale Politik. Nr. 2'23, Februar 2023 (blaetter.de).
cite-note-3838. ↑ Philipp Kollenbroich, Levin Kubeth: Letzte Generation will sich nicht mehr auf Straßen festkleben: Was steckt hinter dem Strategiewechsel? In: Der Spiegel. 2. Februar 2024, ISSN 2195-1349 (spiegel.de [abgerufen am 2. Februar 2024]).
cite-note-3939. ↑ Lukas Fuhr: Was die Letzte Generation nun vorhat. In: FAZ.net. 30. Januar 2024, abgerufen am 4. Februar 2024.
cite-note-4040. ↑ Letzte Generation: Klimakleber wollen ins EU-Parlament. In: Die Tageszeitung: taz. 7. Februar 2024, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 8. Februar 2024]).
cite-note-4141. ↑ Leonie Fischer, Julius Stockheim: „Letzte Generation“-GrĂŒnderin Guttmann: „Ich finde Straßenblockaden auch beschissen“. In: Der Tagesspiegel Online. 18. September 2023, ISSN 1865-2263 (tagesspiegel.de [abgerufen am 26. Oktober 2023]).
cite-note-4242. ↑ Friederike Grabitz: Klimaaktivist ĂŒber Zukunftsangst: „Wir mĂŒssen uns selbst retten“. In: Die Tageszeitung: taz. 28. Dezember 2021, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 26. Oktober 2023]).
cite-note-4343. ↑ Marlene Knobloch: Buch von Lea Bonasera von „Letzte Generation“: Die rationale Radikale. In: SĂŒddeutsche Zeitung. 26. September 2023, abgerufen am 26. Oktober 2023.
cite-note-4444. ↑ Motivation, Finanzierung, Strategie – Wie funktioniert die „Letzte Generation“? Exakt vom 3. Mai 2023. In: mdr.de. 3. Mai 2023, abgerufen am 7. August 2024.
cite-note-4545. ↑ Interne Dokumente zeigen knallharte Hierarchie innerhalb der Letzten Generation. In: focus.de. 2. Oktober 2023, abgerufen am 19. Oktober 2023.
cite-note-die-welt-4646. ↑ Lennart Pfahler, Alexander Dinger: „Letzte Generation“: Penible Strukturen und ein internationales UnterstĂŒtzernetzwerk. In: Die Welt. 7. November 2022 (welt.de [abgerufen am 8. November 2022]).
cite-note-system-4747. ↑ UnterstĂŒtzt durch US-Stiftung – Das System „Letzte Generation“. In: Focus.de, 5. November 2022.
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cite-note-4949. ↑ FĂŒr den Klimaschutz: Die „Letzte Generation“ blockiert Luisenring in Mannheim. In: Mannheimer Morgen.
cite-note-5050. ↑ Laina Turpeinen: Letzte Generation: Wer hinter den Klima-Aktivisten steckt. In: praxistipps.focus.de. 16. Dezember 2022, abgerufen am 21. Dezember 2022.
cite-note-5151. ↑ Letzte Generation: Ihre Forderungen, Aktionen und Strafen. In: news.at. 5. Dezember 2022, abgerufen am 21. Dezember 2022.
cite-note-rnd-5252. ↑ Maximilian König: „Könntest du mal zeigen, wie man sich anklebt?“, in: RND.de, 17. Dezember 2022.
cite-note-5353. ↑ Klima-Aktivismus: Daten-„Super-GAU“ bei „Letzter Generation“. In: WELT.de. Abgerufen am 4. Februar 2023.
cite-note-5454. ↑ Holger Klein: Warum schmeißt man als Journalist hin, um Klimaaktivist zu werden? In: Übermedien. 5. Januar 2023, abgerufen am 5. Januar 2023.
cite-note-5555. ↑ Lorenz RollhĂ€user: So nicht weiter. Kein Ruhestand in der Klimakrise. In: Hörspiel und Feature. Deutschlandfunk, 23. Juni 2023, abgerufen am 26. Juni 2023.
cite-note-5656. ↑ Lea Schönborn: Als Polizistin bei der Letzten Generation. In: Zeit Online. 20. Juni 2023, abgerufen am 10. Juli 2023.
cite-note-5757. ↑ Yannick Eisenhart Rothe: „FĂŒr mich ist das kein Widerspruch“: Diese Polizistin ist Mitglied bei der „Letzten Generation“. Beamtin: „Ich bin bei Weitem nicht die einzige Polizistin“. In: T-Online. 23. Juni 2023, abgerufen am 10. Juli 2023.
cite-note-5858. ↑ Klimaaktivismus: Strategischer Kopf der „Letzten Generation“ rĂŒckt in den Hintergrund. In: welt.de. 26. Oktober 2023, abgerufen am 26. Oktober 2023.
cite-note-5959. ↑ Alexander Dinger und Lennart Pfahler, „Letzte Generation“ ist jetzt eine Marke, in: Welt am Sonntag vom 7. Januar 2024.
cite-note-6060. ↑ Markeneintragung vom 16. November 2023.
cite-note-6161. ↑ Letzte Generation Österreich löst sich auf. 6. August 2024, abgerufen am 6. August 2024 (österreichisches Deutsch).
cite-note-6262. ↑ Aktivisten werden 580 Straftaten zugeordnet, tagesschau.de, 11. Juni 2023.
cite-note-6363. ↑ Cornelia Steiner: Braunschweiger verschenken gerettete Lebensmittel. In: braunschweiger-zeitung.de. 9. Dezember 2021, abgerufen am 22. Februar 2022.
cite-note-6464. ↑ Ruth Lang Fuentes: Bundesweite Autobahnblockaden: Am Ort des zivilen Ungehorsams. In: Die Tageszeitung: taz. 9. Februar 2022, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 10. Januar 2023]).
cite-note-6565. ↑ Enno Schöningh: Umweltaktivistin ĂŒber ihre Selbstanzeige: „Wir fordern ein Essen-retten-Gesetz“. In: Die Tageszeitung: taz. 22. Januar 2022, ISSN 0931-9085 (taz.de [abgerufen am 26. Januar 2022]).
cite-note-6666. ↑ Heidelberg: Lebensmittel-Retter wĂŒhlen im MĂŒll und zeigen sich selbst an. Rhein-Neckar-Zeitung, 24. Januar 2022, abgerufen am 26. Januar 2022.
cite-note-6767. ↑ Tom Schneider: Rewe: Mann zeigt sich selbst bei Polizei an – DAS ist beim Supermarkt tatsĂ€chlich strafbar. In: Der Westen. Funke Digital, 23. Januar 2022, abgerufen am 26. Januar 2022.
cite-note-6868. ↑ Bettina Schulz: Insulate Britain: Sie glauben nicht ans Reden. Zeit Online, 4. November 2021, abgerufen am 8. Februar 2022.
cite-note-6969. ↑ „Nicht bĂŒrgerlich oder anschlussfĂ€hig“: Klimakleber sorgen sich um ihren Ruf. 17. Mai 2023, abgerufen am 20. Mai 2023.
cite-note-7070. ↑ Florentin Schumacher: Festkleben aus Protest: Sie nannten sie Super Glue Penny. In: Die Zeit. 21. Mai 2023, ISSN 0044-2070 (zeit.de [abgerufen am 7. MĂ€rz 2025]).
cite-note-7171. ↑ Stefan Paulus: Agenda-Setting-Monitor: So halten Aktivisten den Klimawandel in den Medien ‱ Medieninsider. In: Medieninsider. 23. Juni 2023, abgerufen am 27. Juni 2023.
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] Nach Angaben des PrĂ€sidenten des Bundesamtes fĂŒr Verfassungsschutz, Thomas Haldenwang (CDU), hat auch seine Behörde keine hinreichenden Anhaltspunkte, die Gruppe als extremistisch einzuschĂ€tzen. Da die Grundhaltung der Aktivisten sei, auf aktive Gewalt zu verzichten, liege kein Extremismus vor. In dieser EinschĂ€tzung sei er sich mit allen 16 LandesĂ€mtern fĂŒr Verfassungsschutz einig.“
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